1 Möglichkeiten der Visualisierung für die positionale Analyse: Ein Werkstattbericht Christian Stegbauer und Alexander Rausch In diesem Beitrag werden Erfahrungen geschildert. Es handelt sich dabei eher um einen Werkstattbericht mit dem wir Probleme und Möglichkeiten, denen wir in unserem Bereich begegnet sind, aufzeigen wollen. Wir verarbeiten hier unsere Erfahrungen. Will man den springenden Punkt sichtbar machen, so sind häufig die gängigen Visualisierungsprogramme hierfür nicht geeignet. Dies gilt besonders, wenn man bedenkt, dass es sich bei der Visuali- sierung nicht nur um ein Darstellungsproblem handelt, sondern um ein Analyseinstrument. Die Darstellung ist also bedeutend für den Erkenntnisprozess selbst. Aus diesem Grund haben wir dort, wo die Standarddarstellung nicht ausreicht, eigene Visualisierungsmöglich- keiten entwickelt, die den Bedürfnissen unserer Forschung eher entgegenkommen. Man kann diesen Aufsatz als Anregung verstehen, um über die jeweiligen Forschungs- und Dar- stellungspraktiken nachzudenken und die hier vorgestellten Überlegungen produktiv in die jeweilige eigene Arbeit aufzunehmen. Im Beitrag werden verschiedene Visualisierungs- möglichkeiten miteinander verglichen und Vor- und Nachteile diskutiert. Nach kurzen Überlegungen, warum wir vor allem auf positionale Analysen setzen, beschäftigen wir uns mit den Anforderungen an die Visualisierung von Positionen. Es wird diskutiert, wie man am besten positionale Strukturen sichtbar macht. Hierzu gehört auch die Analyse von Ver- änderungen, bzw. der Stabilität von Strukturen im Zeitverlauf. 1 Einführung: Warum positionale Analyse? In diesem Beitrag werden Erfahrungen mit der Visualisierung von Forschungsergebnissen, die zum Themenfeld der positionalen Analyse gehören, geschildert. Wir haben in zahlrei- chen Untersuchungen mit dieser Methode gearbeitet, weil diese aus unserer Sicht in sozio- logischer Hinsicht besonders relevant ist. Die positionale Analyse knüpft an die Rollentheo- rie an (Stegbauer 2010a). Der Begriff „Rollentheorie“ steht seit Siegfried Nadel, dem da- mals „fortschrittlichsten Rollentheoretiker“, eigentlich für eine Positionentheorie mit posi- tionalen Systemen (ausgeführt bei Nadel 1957). Häufig werden die Begriffe Rolle und Position synonym gebraucht – will man diese voneinander scheiden, dann geht dies am besten dadurch, dass mit der Position (früher sprach man von Status, etwa Linton 1973) die Stellung innerhalb der Struktur gemeint ist. Handeln die beteiligten Personen aufgrund dieser Stellung, dann spricht man von Rollenhandlung (Stegbauer 2010). Man kann sagen, dass mit diesen Begriffen grundsätzliche Ordnungsprinzipien des Sozialen gemeint sind. Das bedeutet, dass in allen sozialen Situationen eine Positionenstruktur herausgebildet wird. Eine solche Struktur erleichtert den Umgang miteinander, weil damit spezifische Erwartungen verbunden sind. Entwickelt wurden Analyseverfahren zur Positionenanalyse insbesondere von dem damals in Harvard tätigen Harrison White und seinen Mitarbeitern