1 Die Länderfamilie der etatistischen Forstwirtschaftsgovernance Eine Studie über Diskurskoalitionen und Pfadabhängigkeit 1 Gerhard Lehmbruch I. Länderfamilien und die vergleichende Erforschung von Länderclustern in der politischen Ökonomie Es waren turbulente und zugleich intellektuell stimulierende Jahre, als ich Manfred Schmidt in Heidelberg als einen der Studierenden kennen lernte, mit denen man neuere Ansätze einer erfahrungswissenschaftlichen Politikwissenschaft erkunden konnte. Eines unserer Themen war damals die international vergleichende Erforschung von Politikergebnissen (policy outcomes) unter der Leitfrage: „does politics matter?“ Von dort ausgehend hat Manfred Schmidt dann die vergleichende Wohlfahrtsstaatsforschung als seinen wohl wichtigsten Forschungsschwerpunkt entdeckt. Ein interessanter Fortschritt in dieser vergleichenden Policyforschung war die Entdeckung der „families of nations“ in dem gemeinsamen Projekt von Manfred Schmidt mit Francis Castles und Göran Therborn (Schmidt et al. 1992: 142; Castles 1993). Dieses Autorentrio unternahm es, mit dem typologischen Konstrukt der „Länderfamilien“ im internationalen Vergleich Regelmäßigkeiten in der Staatstätigkeit herauszuarbeiten. Länderfamilien, hieß es bei Schmidt et al. (1992:I-1), „zeichnen sich durch kulturelle Gemeinsamkeiten aus, beispielsweise durch sprachliche, rechtssystembezogene, religiös-kulturelle oder historisch-formative Gemeinsamkeiten“. Ein Beispiel sind die drei deutschsprachigen Länder. die durch folgende Familienmerkmale charakterisiert werden: Institutionelle Fragmentierung, Aushandlungsmechanismen, Entscheidungsverflechtung, religiöse cleavages und Industriegesellschaftsdominanz (Schmidt et al. 1992: VI-5). Mit anderen Worten, politikproduzierende Institutionen und bestimmte gesellschaftliche Strukturmerkmale weisen bemerkenswerte Affinitäten auf. Andererseits aber weisen sie auch in wichtigen Politikfeldern „ähnliche oder identische Staatstätigkeitsprofile und Politikergebnisse“ auf. Das Spektrum von Politikfeldern, in denen sich ähnliche policy outcomes beobachten ließen, reichte von der gesamtwirtschaftlichen Performanz über die Höhe der Wohlfahrtsausgaben bis hin zu den Scheidungsraten (Castles und Obinger 2008; Castles und Flood 1993). „Länderfamilien“ sind in der inzwischen etablierten Begrifflichkeit Cluster, also „Haufen“ von Ländern, die sich durch dauerhafte Affinitäten auszeichnen, denen charakteristische policy outcomes entsprechen (Castles und Obinger 2008). Den Rückgriff auf die Metapher „Familie“ für die untersuchten Ländercluster begründen Castles et al. mit einem „geteiltem 1 Für wichtige Hinweise und die sorgfältige Durchsicht des Manuskripts danke ich Dr. Georg Winkel, Institut für Forst- und Umweltpolitik der Universität Freiburg i.Br.