Beltz Juventa | Gemeinsam leben 2/2013 79t Die Umsetzung des inklusiven Wandels ist eine große Herausforderung für alle Schulen und Schulformen. Das response-to-intervention-Mo- dell (RTI) bietet eine gute Möglichkeit, den in- klusiven Systemwechsel durch eine effektive Rahmenstruktur voranzutreiben. RTI ist ein prä- ventionsorientiertes Modell, mit dem Kinder in Risikolagen frühzeitig erkannt und eine Eskala- tion von Lern- und Verhaltensproblemen vermie- den werden kann. Die Förderung erfolgt in drei Stufen mit unterschiedlicher Intensität und Indi- vidualisierung. Im Beitrag wird das RTI Modell dargestellt. Im Mittelpunkt der Darstellungen steht ein konkretes RTI-Praxiskonzept zur Lese- förderung, dass zurzeit an verschiedenen För- der- und Regelschulen implementiert wird. Das Konzept wird praxisnah beschrieben. Die Gren- zen und Möglichkeiten von RTI werden vor dem Hintergrund der Inklusionsdebatte kritisch dis- kutiert. Einleitung Die schulische Integration von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist mindestens seit den 80er- Jahren ein zentrales Thema der deutsch- sprachigen Sonderpädagogik. In zahlrei- chen Beiträgen gingen die Mehrzahl der Au- toren dabei insbesondere auf ethisch-nor- mative und rechtliche Aspekte der Integrati- onsdebatte ein (Eberwein 1999; Kavale/ Mostert 2003). Spätestens seit der Unter- zeichnung der UN-Behindertenrechtskon- vention durch Österreich im Jahre 2008 und Deutschland im Jahre 2009 stellt sich nun für die deutschsprachigen Bildungssysteme die Frage, wie die über viele Jahre diskutier- ten ethisch-normativen und rechtlichen As- pekte nun auch konkret in die Praxis umge- setzt werden können. Trotz des großen Handlungsdrucks bleibt unklar, wie inklusi- ver Unterricht methodisch und strukturell nun konkret umgesetzt werden könnte. Durch diese Situation entstehen im Bil- dungssystem an vielen Stellen enorme Unsi- cherheiten. Jedoch liefern derzeit Sonderpä- dagogik und allgemeine Schulpädagogik kaum praktikable Lösungen zur Umsetzung von Inklusion (Seitz 2006). Im englischen Sprachraum und in vielen skandinavischen Ländern wurden parallel zur normativen Debatte vor allem metho- disch-strukturelle Aspekte diskutiert und konsequent eingeleitet. Die Schulen im deutschen Sprachraum können von diesen Entwicklungen lernen und Anregungen für die Entwicklung des eigenen Schulsystems ableiten. Im Mittelpunkt der Veränderun- gen steht dabei oft das Response-to-Inter- vention-Modell (Fuchs/Fuchs/Stecker 2010, S. 302). Im deutschen Sprachraum haben vor allem Hartmann/Müller (2009), Hu- ber/Grosche (2012), Mahlau et al. (2011) und Walter (2008) auf die Nützlichkeit des Response-to-Intervention-Konzepts (im Fol- genden RTI) für die deutschsprachige Inklu- sionsdebatte hingewiesen. Während sich die einzelnen Beiträge bisher eher darauf beschränkten, die Grundstrukturen von RTI zu beschreiben und auf die Inklusionsde- batte anzuwenden, zielt der vorliegende Beitrag auf ein konkreteres und anwen- dungsbezogeneres Bild von RTI ab. Hierzu werden im Folgenden kurz die Kernproble- me eines hoch selektiven Schulsystems skizziert. Im Anschluss wird erläutert, wie die grundlegenden Wirkmechanismen des Inklusive Schulentwicklung durch response-to- intervention (RTI) – Realisierungsmöglichkeiten des RTI-Konzepts im Förderbereich Lesen Christian Huber, Michael Grosche und Peter Schütterle