Koalitionen von Parteien Aron Buzogány und Sabine Kropp 1 Koalitionen als Gegenstand politikwissenschaftlicher Forschung Koalitionen sind in die Europa am häuigsten vertretene Regierungsform: Einer verglei- chenden Studie über 17 europäischen Demokratien zufolge wurden zwischen 1949 und 1999 rund 63 Prozent aller Regierungen aus mehreren Parteien gebildet (Saalfeld 2007: 180). Selbst im Stammland der Einparteiregierung, in Großbritannien, wurde 2010 ein bis dahin ungewöhnliches Bündnis aus Tories und Liberaldemokraten geschmiedet, da die relative Mehrheitswahl keine Mehrheit für eine Partei erbrachte. Koalitionen gehen mit einer Machtteilung zwischen den Parteien in der Regierung einher, weshalb sie konsens- demokratischen Merkmalen zugeordnet werden (Lijphart 1999). Auch die Vetospielerthe- orie betrachtet Koalitionen wegen der ihnen innewohnenden Verhandlungs- und Kom- promisszwänge als eine wesentliche Ursache dafür, dass Politikwechsel in den Ländern, die regelmäßig Regierungsbündnisse bilden, langsamer verlaufen und weniger umfassend ausfallen (Tsebelis 2002). Aus welchen Gründen Parteien nach Wahlen ein Bündnis ein- gehen, wie stabil Kabinette sind, warum sie beendet werden, aber auch, wie miteinander im Wettbewerb stehende Parteien gemeinsam regieren, sind seit nunmehr einem halben Jahrhundert Kernfragen der Koalitionsforschung. Es gibt wohl kaum einen anderen Zweig der Politikwissenschat, der ähnlich viel kumulative Forschung hervorgebracht hat und in den so unterschiedliche theoretische Ansätze und methodische Vorgehensweisen einge- lossen sind. Dabei wurde der heoriebildung von Beginn an ein vergleichsweise großer Stellenwert beigemessen, während die empirische Forschung erst mit einer gewissen Zeit- verzögerung nachfolgte (Müller 2004: 267). Die Koalitionsforschung entwickelte sich im Großen und Ganzen nach dem Prinzip der abnehmenden Abstraktion (Lindenberg 1992: 4): Von anfänglich einfachen spieltheoretischen Modellen ausgehend, wurden die Annah- men und Befunde im Laufe der Zeit zunehmend ausdiferenziert. O. Niedermayer (Hrsg.), Handbuch Parteienforschung, DOI 10.1007/978-3-531-18932-1_9, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2013