Die Klimabewegung in Brasilien –
Professionalität und ideologische Diferenzen
Dörte Segebart und Claudia König
1 Einleitung
Ende 2012 vermeldete die brasilianische Regierung für 2012 die niedrigste Entwaldungs-
rate seit Beginn der Überwachung vor 24 Jahren. Demnach war die Entwaldung 2012
um 27 Prozent geringer als im Vorjahr (Brasil.gov.br 2012). Die Entwaldung Amazo-
niens hat sich in den letzten Jahren stetig verringert, was nicht zuletzt auch der starken
Klimabewegung Brasiliens zu verdanken ist. Eine andere Meldung weist jedoch auf eine
scheinbar gegensätzliche Entwicklung hin: Im Germanwatch-Klimaschutz-Index 2013
(Germanwatch und CAN Europe 2012) ist Brasilien von Platz sieben im Vorjahr auf
Rang 33 abgefallen. Der Hauptgrund hierfür liegt darin, dass bei der Berechnung des In-
dexes erstmals Emissionen aus Entwaldung berücksichtigt wurden.
Die beiden Meldungen verweisen auf etwas, das Brasilien im Rahmen der Diskussio-
nen um den Klimawandel auszeichnet: Das Land kann eine signiikante Verbesserung
seiner Entwaldungsraten vorweisen. Dennoch stellt die Abholzung im Amazonasge-
biet nach wie vor ein enormes Problem dar. Die Emissionen aus der Entwaldung Ama-
zoniens spielen eine zentrale Rolle in den internationalen Klimadebatten. Auch steht
das hema Entwaldung im Fokus der brasilianischen Klimapolitik und beschätigt den
Großteil der Klimabewegung Brasiliens.
Die Herabstufung Brasiliens im Klimaschutz-Index wird jedoch auch mit einer ver-
schlechterten Bewertung der brasilianischen Klimapolitik begründet (Germanwatch
und CAN Europe 2012). Dies deckt sich mit Klagen brasilianischer Klimagruppen, wel-
che die bisher durchaus enge und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Politik und
bestimmten Teilen der Zivilgesellschat in Gefahr sehen.
Die brasilianische Klimabewegung ist in großen Teilen stark professionalisiert und
in sich sehr diferenziert. Viele Akteure fokussieren auf den Amazonaswald, doch es be-
stehen aufgrund der geographischen Größe und Ausdehnung des Landes regionalspezi-
M. Dietz, H. Garrelts (Hrsg.), Die internationale Klimabewegung, Bürgergesellschaft und Demokratie,
DOI 10.1007/978-3-658-01970-9_12, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2013