Die Entstehung von Intertextualitäten in Hannas Gelübde (i Sam 1,11.21-24) Raik Heckl Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit dem Gelübde, das Hanna am Hei- ligtum in Schilo ablegt, ihren erbetenen ersten Sohn, Samuel, in den Besitz Jhwhs zu übergeben. Er hat einen methodologischen Hintergrund .1 1 Sam 1 weist, wie viele andere Texte auch, Querverbindungen zu anderen Texten der Hebräischen Bibel auf. Solchen »Intertextualitäten« genauer nachzugehen, entspricht einem bedeutenden Trend der gegenwärtigen Forschung .2 Dem- gegenüber soll dieser Beitrag allerdings als Achtungszeichen dienen, bei Schlußfolgerungen aus punktuellen Intertextualitäten Vorsicht walten zu las- sen. Denn möglicherweise sind viele dieser Bezüge bei der Herausbildung der Hebräischen Bibel und der sich allmählich durchsetzenden Autorität ihrer Teile entstanden, ohne daß sie von den ursprünglichen Autoren der Texte intendiert waren. 1. Zur Handlung in 1 Sam 1 1 Sam 1 berichtet von sich periodisch wiederholenden und von einmaligen Ereignissen. So zieht die kinderlose Hanna mit ihrer Familie regelmäßig 3 zum Heiligtum nach Schilo zur Wallfahrt (1,3-5), wo sie aufgrund ihrer Kin - derlosigkeit gedemütigt wird (1,6). Durchbrochen wird diese Wiederkehr der Ereignisse dann durch Hannas Gebet und Gelübde (1,10) im Tempel .4 Ohne 1. Damit möchte ich anknüpfen an die vielen spannenden Diskussionen mit Herrn Prof. Janowski und ihm für die freundliche Aufnahme in Tübingen danken. 2. Dietrich, Samuel, 27, fragt vorsichtig nach den intertextuellen Vernetzungen auch von 1 Sam 1 und erwägt einen Zusammenhang mit Ri 13. Zum Thema der Inter- textualität allgemein siehe Miller, Intertextuality, 283-309. Auf die Notwendigkeit, die Intertextualitäten auch im Zusammenhang der Herausbildung des Kanons zu sehen, hat unlängst Carr, Intertextuality, 530f., hingewiesen. 3. Aufgrund von 1 Sam 1,7 kann man vermuten, daß es eine jährliche Wallfahrt ist. Die Formulierung in 1 Sam 1,3 drückt lediglich die Regelmäßigkeit aus. Dies gilt ge- nauso für die von Dietrich, Samuel, 36, angegebenen Belege in Ex 13,10; Ri 11,40. 4. Hannas Geschick und ihr Handeln stehen im Zentrum, doch darf man angesichts dessen nicht das quasi im Hintergrund gedachte regelmäßige Geschehen vernach- lässigen.