Lioba Diez, Manuela Michaelis, Henning Schluß: Die Bedeutung der Religionsphilosophischen Schulprojektwochen für die Wertebildung. In: Wilfried Schubarth/Karsten Speck/Heinz Lynen von Berg/Julia Barth (Hrsg.): Wertebildung in Jugendarbeit, Schule und Kommune. Bilanz und Perspek- tiven VS-Verlag, Wiesbaden 2010, S. 237-250. Die Bedeutung der Religionsphilosophischen Schulprojektwo- chen für die Werterbildung Lioba Diez, Manuela Michaelis, Henning Schluß Lohnt es sich zu glauben oder was gibt meinem Leben Sinn? Fragen wie diese genannte werden immer wieder von den beteiligten Schülerin- nen und Schülern in Vorbereitung und Durchführung einer Religionsphilosophi- schen Schulprojektwoche (RPSPW) gestellt. Dass der Jugend gerade alle Werte verloren gehen – wie es so oft beklagt wird – erleben wir in der Schulprojektwo- chenarbeit nicht. Schülerinnen und Schüler haben Wertvorstellungen und damit Vorstellungen von gelungenem Leben und funktionierender Gesellschaft. In unserer vielfältigen Welt sind allerdings auch die Werte der Jugendlichen plural. Unserer Erfahrung nach fehlt es allerdings an Räumen, den eigenen Lebensent- wurf zur Sprache zu bringen und darüber ins Gespräch zu kommen, was gelun- genes Leben ausmacht. Am Beispiel einer Referentin der Schulwochen zeigt sich dies deutlich: Während einer Einheit zum Thema „Glaube und Sexualität“ entstand eine Dis- kussion zur Fragen, wann das Leben beginne und bis wann eine Abtreibung für die Schülerinnen und Schüler akzeptabel wäre. Als daraufhin alle schwiegen, fragte die Referentin nach, was sie im Biologieunterricht dazu besprochen hätten. Eine Schülerin gab zur Antwort, dass sie die biologischen Abläufe gelernt hätten, aber auf die Frage, wann den das Leben beginne, der Biologielehrer geantwortet hat: „Darüber müsst ihr zuhause nachdenken.“ Und auch im Rückblick auf die RPSPW betonen die Jugendlichen immer wieder, dass ihnen die Woche Raum geboten hat, über existenzielle Fragen, die sie beschäftigen, zu diskutieren die im eigenen Freundeskreis so keinen Platz haben. Dies ist auch der Anspruch der Religionsphilosophischen Schulprojekt- wochen, einen Raum zu schaffen, in dem verschiedene religiöse und weltan- schauliche Lebensentwürfe kennen gelernt werden können und in dem über die ihnen zugrunde liegenden und die eigenen Werte gemeinsam und in toleranter Atmosphäre reflektiert werden kann. Im Folgenden sollen Geschichte, Konzept, Ziele und der Aufbau der RPSPW erläutert werden. Anschließend wird kurz auf zwei Besonderheiten der Arbeit, die Schnittstelle Jugendarbeit und Schule und die Arbeit im ländlichen ostdeutschen Raum eingegangen. Dem folgt eine Erörterung, inwiefern gerade religiöse Bildung zur Werterziehung beitragen kann und wie die RPSPW dahin- gehend arbeiten. Reaktionen auf eine Schulwoche stehen am Ende dieses Arti- kels.