Angesichts eines breiten und ausdifferenzierten Angebotes auf dem Freizeitmarkt und eines daraus
resultierenden ausgeprägten Konkurrenzdrucks ist es für die Anbieter von essentieller Bedeutung,
die Erwartungshaltungen der Besucher möglichst gut zu erfüllen. Damit kommt der Erfassung der
BesucherzufriedenheiteinehoheBedeutungzu.DementsprechendwerdenauchinvielenEinrichtungen
mehroderwenigersystematischBesucherbefragungendurchgeführt.Allerdingszeichnensichdiemeis-
tendieserAnalysendurcheinextremeingeschränktesSetvonAnsätzenaus.ImKernstellendiemeisten
UntersuchungenlediglichmultiattributiveEinschätzungsmessungendar.
Es stellt sich die Frage, in welchem Maß die zurzeit im Bereich der sozialwissenschaftlichen
Nachfrageanalysen hauptsächlich eingesetzten Methoden und Ansätze geeignet sind, die für eine
Besuchergewinnung und insbesondere auch Besucherbindung relevantenAspekte detailliert zu identi-
fizieren.Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel dieses Beitrages, mehrere unterschiedliche Methoden
zur Messung von Kundenzufriedenheit imVergleich vorzustellen und ihre Eignung und Relevanz für
dieAbbildungdesKonstruktes„Kundenzufriedenheit“zuüberprüfen.Dabeiwerdensog.objektiveund
ereignisorientierte Messansätze dem bislang weit verbreiteten merkmalsorientierten multiattributiven
VerfahrengegenübergestelltundaufihreEignungüberprüft,einenBeitragzueinerbesserenAbbildung
vonBesucherzufriedenheitzuleisten.
AlsFallbeispielwurdemitderZecheZollerninDortmundeineindustriekulturelleEinrichtunggewählt.
Bei der in den letzten Jahren erfolgten Aufbereitung des industriekulturellen Erbes an einerVielzahl
von altindustriellen Standorten als Freizeit- und Bildungsangebot für die Bevölkerung wurden erhebli-
che öffentliche Mittel eingesetzt. Dabei ergibt sich wie bei jeder musealenAufbereitung immer auch
einSpannungsverhältniszwischendemAuftragzurErhaltungderindustriellenundbergbautechnischen
Einrichtungen, derVermittlung von Inhalten und der Notwendigkeit, denAnsprüchen der potentiellen
Besuchergerechtzuwerden.
DiehiervorgestelltenempirischenBefundewurdengeneriertimZugeeines2004durchgeführtenzwei-
semestrigenProjektseminarsimFachGeographiederUniversitätPaderborn,dasvomVerfasserzusammen
mit Dr.AlineALBERS und Dr.Werner GRONAU durchgeführt wurde. EinTeil der Befunde wurde in einer
begleitendzumProjektseminarverfasstenMagisterarbeitvonCarstenMÜLLER(2004)aufbereitet.
1 Ansätze zur Erfassung von Zufriedenheit auf der Nachfragerseite
DiewachsendeKonkurrenzamFreizeit-undTourismusmarkt–gepaartmitdengestiegenenAnsprüchen
derKundenbzw.Besucher–veranlasstedieprivatwirtschaftlichenFreizeit-undTourismuseinrichtungen
inden1990er-Jahren,derBesucher-oderKundenzufriedenheiteineverstärkteAufmerksamkeitzukom-
men zu lassen. Ausgangspunkt für die verstärkte Auseinandersetzung mit derWahrnehmung auf der
Nachfragerseite waren die sozialpsychologischen Einstellungsmodelle. Grundannahme dieses in ganz
unterschiedlichen Kontexten –von der Einzelhandels- undVerkehrsforschung bis hin zur Freizeit- und
Tourismusforschung–angewandten Ansatzes, der auf die US-amerikanischen Sozialpsychologen
Rosenberg und Fishbein/Ajzen zurückgeht, ist, dass nicht die objektiven Gegebenheiten verhal-
tensrelevant werden, sondern deren subjektive Wahrnehmung (adequacy) und Bewertung (impor-
tance) durch die Individuen. Neben diesem auch Customer Satifaction Index genannten Zwei-
Komponenten-Einstellungsmodell (vgl. z. B.T ÖPFER 1999, S.315) erfuhr unter den mehrdimensionalen
Einstellungskonzepten vor allem das Drei-Komponenten-Modell mit einer affektiven, einer kognitiven
Methoden der Messung von Besucherzufriedenheit im Vergleich
– dargestellt am Beispiel einer industriekulturellen Einrichtung
Andreas Kagermeier