Ableitung von Versiegelungsgraden basierend auf hochaufgelösten Fernerkundungsdaten mittels Support Vector Machines Felix BACHOFER, Thomas ESCH und Doris KLEIN Dieser Beitrag wurde nach Begutachtung durch das Programmkomitee als „reviewed paper“ angenommen. Zusammenfassung In Deutschland findet eine stetig fortschreitende Zersiedelung der Landschaft und damit eine konstant hohe Flächeninanspruchnahme statt. Zur statistischen Erfassung steht jedoch neben der amtlich erfassten Kennzahl „Siedlungs- und Verkehrsfläche“ (SuV), welche für eine quantitative und qualitative Bewertung der Flächeninanspruchnahme ungenügend ist, kein validiertes Bilanzierungssystem zu Verfügung. In diesem Beitrag wird der „Impervi- ous Surface Analyst“ (iSurf-A) zur fernerkundlichen Ableitung von Versiegelungsgraden mittels „Support Vector Machines“ (SVM) vorgestellt. Die Anwendung dieser Versiege- lungsanalysen wurde anhand von digitalen Luftbildern sowie Ikonos Satellitenaufnahmen am Beispiel der Stadt Leipzig demonstriert und validiert. Eine Überprüfung der Versiege- lungsergebnisse zeigt vielversprechende Gesamtgenauigkeiten von bis zu 89 %. Die vorge- stellte Methodik ermöglicht somit die Lücke der Flächenstatistik zu schließen. 1 Einführung Flächeninanspruchnahme geht mit einer Vielzahl von negativen Auswirkungen auf die Umwelt einher – darunter die Oberflächenversiegelung des belebten Bodens, die Zer- schneidung von Habitaten, die Verstärkung von Hochwasserereignissen, die Verringerung der Grundwasserneubildungsrate und die Veränderung lokaler Klimate. Vor diesem Hinter- grund wird von Umweltverbänden in der Bundesrepublik Deutschland, wie auch von der Raumordnungs- und Siedlungspolitik seit längerem ein ressourcenschonender Umgang mit Siedlungs- und Verkehrsflächen (SuV) gefordert. Dennoch bewegte sich die tägliche Um- widmung von Flächen in SuV in den letzten 15 Jahren mit 100 bis 130 Hektar auf konstant hohem Niveau (DESTATIS 2007). Das so genannte „Ziel-30-ha“ des Rates für nachhaltige Entwicklung (RNE) gibt vor, dass die tägliche Umwidmung zu SuV auf durchschnittlich weniger als 30 Hektar pro Tag im Jahr 2020 reduziert werden soll. Diese Zielvorgabe wur- de von der damaligen Bundesregierung im Jahre 2002 in die „Nationale Nachhaltigkeits- strategie“ übernommen (RNE 2004). Die meisten Flächenstatistiken, wie auch das „Ziel-30-ha“ beziehen sich weitgehend auf den Indikator SuV, der sich aus den Nutzungsarten Gebäude- und Freifläche, Betriebsfläche (ohne Abbauland), Verkehrsfläche, Erholungsfläche und Friedhof zusammensetzt (DESTA- TIS 2007). Dazu werden Flurstücke gleicher Nutzungsart aus Liegenschaftskatastern aggre-