"Textkompetenz er- möglicht es, Texte selbständig zu lesen, das Gelesene mit den eigenen Kennt- nissen in Beziehung zu setzen und die dabei gewonnenen Informationen und Erkenntnisse für das weitere Denken, Sprechen und Han- deln zu nutzen. Textkompetenz schließt die Fähig- keit ein, Texte für andere herzustellen und damit Gedan- ken, Wertungen und Absichten verständ- lich und adäquat mitzuteilen." (Port- mann-Tselikas 2005:1-2) „Textsorten sind histo- risch gewordene, kon- ventionalisierte, norm- haft wirkende Muster sprachlichen Handelns“ (Ermert 1979, 42; in Heinemann 2000: 516) Julia Schmidt Interkulturelle Textkompetenz Interkulturelle Textkompetenz 1 Einleitung: Textkompetenz allgemein Dieser Beitrag beschäftigt sich mit dem Thema der interkulturellen Text- kompetenz. Im ersten Teil geht es um die Frage, was Textkompetenz im Allgemeinen ist. Danach wird sie aus der Perspektive des Fremdsprachen- lernens neu beleuchtet. Im dritten Teil werden problematische Aspekte der Textsortenkompetenz in der L2 am Beispiel wissenschaftlicher Hausarbeiten dargestellt und im letzten Teil gebe ich didaktische Anregungen, interkultu- relle Textkompetenz im Fremdsprachenunterricht insbesondere, aber nicht nur im universitären Bereich zu fördern. Unter Textkompetenz verstehe ich hier im Allgemeinen, die Fähigkeit, Texte sowohl lesen und verstehen, als auch angemessen produzieren zu können. Textkompetenz beinhaltet also zunächst einmal die grundsätzlichen Lese- und Schreibfähigkeiten. Darüber hinaus schließt sie aber auch noch wesent- liche Kenntnisse der verschiedenen Textsorten und Textmuster mit ein. Da- bei bezeichnet die Textsorte alle die Texte, die zu einem bestimmten Zweck auf Basis des entsprechenden Textmusters geschrieben werden. Das Text- muster gilt als idealtypisches Bild, wie ein Text, der eine bestimmte Aufga- be erfüllen soll und in einem bestimmten Kontext geschrieben und verwen- det wird, aussehen soll. Das Textmuster gibt also Kriterien vor, die ein Text erfüllen muss, um zu einer bestimmten Textsorte zu gehören. Verschiedene Textsorten sind zum Beispiel Kochrezepte, Zeitungsarti- kel, Kleinanzeigen, Rezensionen etc. Textkompetenz bezeichnet nun die Fähigkeit, Textmuster zu (er)ken- nen und anwenden zu können, d. h. Texte auf Basis der entsprechen- den Kriterien einer Textsorte zuordnen sowie sie verstehen und pro- duzieren zu können. Ein Kochrezept und ein Horoskop haben bei- spielsweise sehr deutliche Eigenschaften sowohl inhaltlicher als auch sprachlicher Art, die sie eben dieser Textsorte und keiner anderen zuordnen. Diese Eigenschaften signalisieren dem Leser deutlich, wie er die- sen Text zu lesen und v. a. zu verstehen hat. Schüler beispielsweise müssen lernen, dass es einen Unter- schied macht, ob sie eine Geschichte, einen Bericht oder ein Protokoll lesen oder auch schreiben sollen. Textkompetenz oder auch Textmusterwissen ist also die Grundvoraussetzung dafür, einen Text richtig ver- stehen und auch verfassen zu können. Eine umfassende Textkompetenz zu entwickeln, ist schon in der Seite 1 von 9