Der Eine oder die Vielen? Monotheismus und materielle Kultur in der Perserzeit* Christian Frevel Zwar wird in den seltensten Fällen gesagt, was man darunter genau versteht, doch gilt der Monotheismus als differentia specifica des nachexilischen Früh- judentums, ja überhaupt als bleibendes Konstitutivum des Judentums als einer der drei sog. Weltreligionen. So halten Walter Dietrich und Ulrich Luz in ihrem gelehrten Überblick fest: »Die Geburtsstunde des voll ausgereiften Monotheis- mus war zugleich die Geburtsstunde des Judentums. ... Seine Partikularität wird wesenhaft bestimmt durch seine Religion und diese wiederum durch ihren kompromißlosen Monotheismus . .. Das Judentum ist so zum unübersehbaren und unverrückbaren Mahnmal monotheistischer Gottesverehrung geworden. Könnte es also sein, daß nicht nur die Partikularität Israels an seinem mono- theistischen Glauben, sondern daß auch der Monotheismus an der Existenz eines in seiner Partikularität respektierten Israel hängt?« 1 Zwar ließe sich die Reichweite dieser Hypothese durchaus mit Blick auf den philosophischen Mo- notheismus oder den Islam diskutieren, ohne dabei den Respekt gegenüber der Existenz des Judentums aufzugeben, doch zeigt das Zitat auf jeden Fall, wie eng die Geschichte des Monotheismus mit der Entstehung des Judentums zusam- mengedacht wird. Religionsgeschichtlich war das nicht immer der Fall, wenn man sich etwa an die Hypothese eines Urmonotheismus oder die Annahme eines historischen Monotheismus der Patriarchen erinnert. Erst ein schmerzlicher * Frank-Lothar Hossfeld zum 70. Geburtstag in Freundschaft gewidmet. Die hier nur geringfügig bearbeitete Vortragsfassung steht im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt »Spuren des Monotheismus in der materiellen Kultur? Veränderungen im religiösen Symbolsystem in der formativen Phase des vorhellenistischen Judentums in der Eisen III-Zeit und der Perserzeit«, das am Käte Hamburger Kolleg »Dynamiken der Re- ligionsgeschichte zwischen Asien und Europa« in Bochum in Zusammenarbeit mit Sakkie Cornelius (Stellenbosch) durchgeführt wird. 1 W. Dietrich / U. Luz, Universalität und Partikularität im Horizont des biblischen Mono- theismus, in: C. Bultmann u. a. (Hg.), Vergegenwärtigung des Alten Testaments. FS R. Smend, Göttingen 2002, 369–411, 381f. in: Schwöbel, Christoph (Hg.), Gott – Götter – Götzen. XIV. Europäischer Kongress für Theologie (11.-15. September 2011 in Zürich) (VWGTh 38), Leipzig 2013, S. 238-265.