Frank Kleemann, G. Günter Voß (beide TU Chemnitz), Kerstin Rieder (FH Nordwestschweiz) (frank.kleemann@phil.tu-chemnitz.de, guenter.voss@phil.tu-chemnitz.de, kerstin.rieder@fhnw.ch) Kunden und Konsumenten als Innovatoren Die betriebliche Nutzung privater Innovativität im Web 2.0 durch „Crowdsourcing“ Paper für die gemeinsame Herbsttagung "Innovationen und gesellschaftlicher Wandel" der Sektionen Arbeits- und Industriesoziologie und Wissenschafts- und Technikforschung am 12. und 13. Oktober 2007 in Dortmund – bitte nur nach vorheriger Zustimmung der AutorInnen zitieren – 1. Einleitung Mit dem Terminus „Web 2.0“ werden Internetanwendungen bezeichnet, die partizipative(re) Formen der Internetnutzung ermöglichen, die von bisherigen einseitig strukturierten „Sender- Empfänger-Modellen“ abweichen. Die Bandbreite der Anwendungen reicht von Audio über Bewertungen, Bookmarks, Community, Files, Filme, Fotos, Geodaten, Grafik, Instant Mes- saging, Jobs, Kontakte, Kunst, Musik, News, Podcast, Programmierung, Reisen, Shopping, Spiele, Sport, Suchmaschine, Tagging, Texte ,Tools, Video, Weblog, Wiki bis Wissen [wie so oft fallen x, y und z hinten runter ...]. Die große Resonanz, auf die das „Mitmach-Web“ bei Internetnutzern stößt, verweist auf einen hohen Bedarf nach aktiver Beteiligung. Zunächst vom anti-kommerziellen Impetus der „open source“-Bewegung getragen, haben mittlerweile auch Unternehmen Web 2.0-Strukturen als Plattform entdeckt. Crowdsourcing“, „Open Inno- vation“ (vgl. Chesbrough 2006, 2007, Chesbrough u.a. 2006, Drossou 2006, Hippel 2005), „Interaktive Wertschöpfung“ (Reichwald / Piller 2006) oder „Social Commerce“ sind aktuelle Schlagwörter, die (mit unterschiedlicher Akzentuierung) beschreiben, wie Unternehmen ver- suchen, ihre Kunden (bzw. „User“ / „Nutzer“) gezielt in betriebliche Prozesse einzubinden. Die (im Jahr 2004 geprägte) Metapher „Web 2.0“ bezeichnet keine konsistent neue einzelne Technologie oder Organisationsform des World Wide Web (WWW) als Ganzes, sondern verweist einerseits auf veränderte Anwendungen, die auf einem komplexen Bündel software- technischer Neuerungen – vor allem im Vergleich zum statischen HTML dynamischen Pro- grammiersprachen und Content-Management-Systemen (die überwiegend bereits in den späten 1990er Jahren entwickelt wurden) –, aber auch der zunehmenden Verbreitung von Breitband-Internetverbindungen basieren, und andererseits auf veränderte Formen der Be- nutzung (und Wahrnehmung) des WWW (vgl. Alby 2006: 1-19). Charakteristisch für das Web 2.0 sind insbesondere interaktive und kollaborative Nutzungsstrukturen, die „User Generated Content“ ermöglichen: Die NutzerInnen sind nicht mehr bloße Rezipienten, sondern können aktiv (etwa durch Blogs oder das Hochladen von Fotos, Videos etc.) an der Entstehung von Inhalten partizipieren. Eine wichtige technologische Grundlage bildet dabei „Social Software“, also all jene Anwendungen, die Kommunikation, Interaktion und Zusammenarbeit im Internet unterstützen. Der Fokus dieser Software-Anwendungen liegt auf der nutzerbasierten Erstel- lung von Inhalten, den umfangreichen Interaktions- und Vernetzungsmöglichkeiten sowie einer leichten Bedienbarkeit. Vorrangiges Ziel ist es, die Endnutzer gemeinschaftlich an der inhaltlichen Gestaltung eines Internetangebots zu beteiligen. Das individuelle Wissen wird so zu geteiltem Wissen, zu „shared information“. (für einen umfassenderen Überblick zum „Web 2.0“ vgl. Alby 2006, s.a. http://de.wikipedia.org/wiki/Web2.0) Allgemein lässt sich sagen, dass der Terminus „Web 2.0“ als diffuses Leitbild für veränderte Optionen und Formen der Internet-Nutzung fungiert. Ob es sich dabei – um die Bandbreite der formulierten Positionen nur kurz zu umreißen – lediglich um eine Marketing-Begrifflichkeit handelt oder um eine „Revolution“ handelt, kann und soll an dieser Stelle nicht vertiefend diskutiert werden.