142 Transnationale Care-Arbeit: Osteuropäische Pendelmigrantinnen in Privathaushalten von Pflegebedürftigen Sarah Schilliger Zusammenfassung Haushalte von Pflegebedürftigen sind in den vergangenen Jahren in der Schweiz zu Arbeitsplätzen für osteuropäische Pendelmigrantinnen geworden. Im Bereich der 24-Stunden-Betreuung entwickelt sich ein Sonderarbeitsmarkt für Migrantinnen, die im Rhythmus von zwei Wochen bis drei Monaten zwischen Herkunftsland und Arbeits- platz hin und her pendeln. Durch die erweiterte EU-Personenfreizügigkeit erschliesst sich den Vermittlungsagenturen ein grosses Reservoir an flexiblen Arbeitskräften. Dieser Beitrag geht in einem ersten Teil den Hintergründen dieses expandierenden Betreuungsmarktes nach und thematisiert, wie dieser Boom mit Veränderungen in verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Feldern zu tun hat: mit Umbrüchen in der Care-Ökonomie, mit veränderten Geschlechterverhältnissen und Familien- strukturen sowie mit Veränderungen im Migrations- und Arbeitsmarktregime. Im zweiten Teil werden die Bedingungen auf dem neu entstehenden transnationalen Markt für Betreuungsdienstleistungen beleuchtet. Dabei wird auf die konkreten Arbeitsverhältnisse in der 24-Stunden-Betreuung, auf die Rechtslage sowie auf die Logik und Funktionsweise der transnationalen Vermittlungsagenturen fokussiert. Abschliessend wird danach gefragt, wie sich durch diese aktive Rekrutierung von Care-Migrantinnen die globalen Abhängigkeiten und Ungleichheiten entlang von Geschlecht, Klasse und Nationalität verändern und welcher politische Handlungsbe- darf sich daraus ableiten lässt. Résumé En Suisse, les foyers de personnes dépendantes sont devenus ces dernières années le lieu de travail de migrantes pendulaires d’Europe de l’Est. Dans le cadre de la prise en charge 24 heures sur 24, un marché d’emploi se fait jour pour des migrantes qui font la navette entre leur pays d’origine et leur lieu de travail à un rythme de toutes les deux semaines à tous les trois mois. Suite à l’élargissement de la libre circulation des personnes au sein de l’UE, un gros réservoir de main-d’œuvre flexible s’ouvre aux agences de placement. Dans une première partie, la présente contribution éclaire les circonstances de l’expansion de ce marché, passant en revue notamment les diverses évolutions sociales et politiques qui en sont à l’origine: bouleversement de Fahne SRK-Buch, 25.2.2013 / © Seismo Verlag AG, Zürich