Noel B. Salazar. Envisioning Eden: Mobilizing Imaginaries in Tourism and Beyond. New York: Berghahn Books, 2010. 224 S. $95.00 (cloth), ISBN 978-1-84545-760-0. Reviewed by Regina Bendix Published on H-Soz-u-Kult (June, 2011) N.B. Salazar: Envisioning Eden Noel Salazars 2008 an der University of Pennsyl- vania abgeschlossene Dissertation erreicht die Leserin kontextualisiert von h¨ ochstem Lob. Altmeister Ed- ward Bruner verfasste ein anregendes Vorwort f¨ ur die Arbeit, die ihn zum anhaltenden, weiteren Brain- storming ¨ uber die endlose Repetition in der Zirkula- tion von Kultur bei gleichzeitigem Wandel stimuliert habe; ein Who’s Who aus dem Bereich der Touris- musforschung - Nelson Graburn, Mike Robinson sowie Jafar Jafari - attestieren dem Werk innovativen Charakter; und eine leitende Pers¨ onlichkeit in der UNESCO schreibt gar: “This book is the reference for tourism imaginaries academia was waiting for”. Maria-Gravaris-Barhas wird auf dem Buchr¨ ucken zi- tiert. Und Noel Salazar selbst? Sein fl¨ ussiger Schreibstil und eine Erz¨ ahlweise, die sein forschendes Selbst inmitten des ethnographischen Tuns stets fre- undlich mit beleuchtet, lassen die Leserin bisweilen ein wenig nach Atem ringen. Sie f¨ uhlt sich ganz analog einer Touristin von der Reise und dem fre- undlichen Reiseleiter mehr als eingedeckt. Offen- sichtlich w¨ unscht Salazar sich genau das, denn er nutzt die Reisemetaphorik ausgiebig, l¨ adt ein “zu einer mentalen Reise, die einige interessante theo- retische und methodologische Horizonte erkundet” - und, fortfahrend im Register der ReiseleiterInnen, die Salazars Untersuchungsfeld darstellen, versichert, dass keine besonderen Kenntnisse notwendig seien außer einem offenen Geist, dass man einige bekan- nte Landschaften zu sehen bekommen werde, und auf dem Weg zum Reiseh¨ ohepunkt g¨ alte es auch, etwas langweiligeres Hintergrundwissen abzuklopfen (S. xxii). Der geb¨ urtige Belgier schloss vor der kul- turanthropologischen Promotion Masterstudi- eng¨ ange in Psychologie (Leuven), Entwicklungs- Neuropsychologie (Essex) und “Cultures and Devel- opment Studies” (Leuven) ab, und arbeitet zur Zeit als Marie Curie Fellow an der Universit¨ at Leuven. Sein Buch basiert auf teilnehmender Beobachtung und Interviews mit ReiseleiterInnen in Indonesien und Tansania. Die Wahl ergab sich durch ver- schiedene Zuf¨ alle, deren markantester gleichzeitig auch forschungsleitende Fragen ergab: Auszu- bildende ReiseleiterInnen aus den zwei Zielgebieten nahmen durch die Initiative einer NGO gemeinsam in Belgien an einem Training teil. Sie sollten so mit den Herkunftsregionen ihrer zuk¨ unftigen Klien- tel und mit Aspekten der professionellen Erzeugung von reisebegleitenden Narrativen und Imaginarien bekannt gemacht werden. Diese Konstellation bot in der Tat eine geradezu ideale Ausgangslage, um der Frage nachzugehen, wie Globalisierung konkret “funktioniert” - im Zusammentreffen von mobilen Akteuren, die sich beruflich im Nord-S¨ ud Gef¨ alle be- wegen, und einem Wirtschafts- und Erlebensbereich, der auf der Verlockung und Verf¨ uhrung von Desti- nationen und deren transportablen Imaginarien auf- baut. Anhand der beruflichen Sozialisation dieser Ak- teure m¨ ochte Salazar das von Robertson entworfene “Glokale” konkretisieren, also die Funktionsweisen und Effekte des Zusammentreffens von Globalem und Lokalem an konkreten Orten beschreiben. Robert Robertson, Globalization. Social Theory and Global Culture, London 1992. Zugleich m¨ ochte er auch der Vorstellung von Globalisierung als einem ebenm¨ aßi- gen “flow” eine Alternative entgegenstellen: “Imagi- naries do not flow like water in a river, but circulate like blood in a living organism - moving through well- established conduits, leaving certain elements behind and picking up new ones along the way, and contin- uously returning to their points of origin” (S. 44). Inspiriert, wenn auch etwas stark metaphorisiert, ist diese Sicht durch Greg Urbans Vorarbeiten in dessen “Metaculture”. Greg Urban, Metaculture. How Cul- ture Moves Through the World, Minneapolis 2001. 1