Dossier Kritik Politik Literatur Impressum Medienheft (vormals ZOOM K&M), ISSN 1424-4594 Herausgeber: Katholischer Mediendienst, Charles Martig; Reformierte Medien, Urs Meier Redaktion: Judith Arnold, Adresse: Medienheft, Badenerstrasse 69, Postfach, CH-8026 Zürich Telefon: +41 44 299 33 11, Fax: +41 44 299 33 91, E-Mail: redaktion@medienheft.ch, Internet: www.medienheft.ch kostenloser Bezug via Internet oder Mailingliste: www.medienheft.ch/mailing_abo Das grosse Zeitungssterben Krise und Chance der Publizistik Stephan Weichert und Leif Kramp Immer mehr Zeitungen geraten finanziell unter Druck oder müssen gar die Tore schliessen. Mit «Newspaper Death Watch» oder «The Demise of Print» sind in den USA eine ganze Reihe sarkastischer Blogs entstanden, die das Zeitungssterben publizis- tisch begleiten. Doch während sie das Ende der Presse verkünden, bahnen sich bereits innovative Geschäftsmodelle den Weg: Stiftungen sind ebenso im Trend wie der Ruf nach einer öffentlich-rechtlichen Presse. Doch mit der Basis steht auch die Unabhän- gigkeit und Qualität der Publizistik erneut zur Debatte. Die Konjunkturschwäche macht der Schweizer Presse zu schaffen: «Der Bund», das Traditionsblatt der Berner Hauptstadt, steht nach fast 160 Jahren vor dem Aus, die «Neue Zürcher Zeitung» hat den Abbau von 24 Stellen angekündigt und die «Basler Zei- tung» will einen Fünftel der Belegschaft reduzieren. Diese Ausdünnung der Presse ist ein internationaler Trend, der den Stellenwert des Journalismus mittlerweile ernsthaft in Frage stellt. Symptomatisch erscheint die derzeitige Entwicklung in den USA: Ginge es nach Steve Ballmer, dem Geschäftsführer des Software-Giganten Microsoft, würde sich die Gret- chenfrage nach dem Wert oder Unwert der Zeitungen bald erübrigen. Ballmer, der we- gen seiner rüpelhaften Auftritte vor Mitarbeitern des Unternehmens nur noch «Mon- keyboy» genannt wird, orakelte im August 2008 im Gespräch mit der «Washington Post», dass es schon in zehn Jahren keine Printmedien mehr geben werde. Bis dahin, so Ballmer, werde die «ganze Welt der Medien, Kommunikation und Werbung umge- krempelt»: Jeglicher Medienkonsum würde via Internet bedient, statt gedruckter Zei- tungen und Magazine werde es nur noch elektronische Vertriebswege geben. 20. Februar 2009