Jenseits ausgetretener Pfade. Die Produktionen des Labels Testklang Stefan Drees Seit geraumer Zeit lassen sich auf dem Plattenmarkt interessante Tendenzen verzeichnen. Eine da- von ist der Trend renommierter Klangkörper weg von der Bindung an große Labels zugunsten der Neugründung eigener Produktions- und Vertriebsplattformen, dem beispielsweise nach dem San Francisco Symphony Orchester, dem London Symphony Orchestra und dem Ensemble Modern kürzlich auch die Berliner Philharmoniker gefolgt sind. Die Vorteile einer solchen Konstruktion, die sich vor allem in weitgehender Selbstbestimmung bei der Gestaltung und thematischen Ausrichtung neuer Veröffentlichungen abzeichnen, bestimmen auch die Gründung des bezüglich seiner gesamten Konzeption in höchstem Maße interessanten Labels Testklang. 1 Als «Label für klassische und zeitgenössische Musik» wurde Testklang auf Basis einer genossen- schaftlichen Organisations- und Rechtsform mit Sitz in Berlin von Marc Tritschler (Pianist), Aron Kitzig (Filmemacher), Romualdas Urba (Tonmeister), Lars Dreiucker (Philosoph), Fabian Lefel- mann (Gestalter), Manuel Nawri (Dirigent), Thomas Weber (Tonmeister) und Edgar Tritschler (Un- ternehmensberater) installiert. Damit öffnet man sich den Vorteilen eines privatwirtschaftlichen Un- ternehmenskonzepts, das auf Transparenz und Kollaboration ausgerichtet ist und den mitwirkenden Künstlern eine Beteiligung an den erwirtschafteten Erlösen garantiert. Getragen wird es von einem internationalen Netzwerk, dessen Mitglieder für die thematische und inhaltliche Ausgestaltung der einzelnen Veröffentlichungen verantwortlich zeichnen. Die heterogene Zusammensetzung des Gründungsteams veranschaulicht zugleich die konzeptuelle Besonderheit von Testklang: den Ver- such, auf der Basis von Werken der Kunstmusik eine Auseinandersetzung mit ungewöhnlichen In- halten über Fach- und Genregrenzen hinweg zu suchen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, sorgt man für Produktionsvoraussetzungen, die frei von merkantilen Interessen oder der Frage nach dem Erfolg einer Veröffentlichung sind. Greifbares Ergebnis all dieser Bemühungen sind bislang drei hochwertige, der Idee des Konzeptalbums verpflichtete Editionen, die jeweils eine sorgfältig produzierte CD, eine die Musik in den visuellen Bereich hinein verlängernde und die Produktion selbst dokumentierende DVD, ein umfassend informierendes Booklet sowie in zwei Fällen im Rah- men von Deluxe-Editionen auch ein in limitierter Auflage hergestelltes Kunstobjekt umfassen. Im 2012 erschienene Testklang-Debüt Sugar Cubes wurde dieser Ansatz erstmals praktisch reali- siert: Die Produktion widmet sich dem Schaffen der US-amerikanischen Komponistin Bunita Mar- cus, einer langjährigen Wegbegleiterin von Morton Feldman und John Cage. Enthalten sind fünf Weltersteinspielungen von Kammermusik- und Klavierwerken sowie eine 1983 von Feldman ver- fertigte, bislang unveröffentlicht gebliebene Kammerensembleinstrumentation des kurzen Klavier- 1 Weitere Informationen zum Label und den einzelnen Produktionen finden sich unter www.testklang.net . Vgl. auch Stefan Drees, «Zwei neue CD-Reihen», in: Die Tonkunst 7 (2013), H. 1, S. 518–519.