29 Soziale Sicherungsstrategien im südlichen Afrika: Vom methodischen Nutzen einer multilokalen Forschung Clemens Greiner Abstract In vielen Regionen Afrikas sind städtische und ländliche Räume von Migrations- prozessen und wechselseitigenVerflechtungsbeziehungen gekennzeichnet. Sie prägen das kulturelle, ökonomische und soziale Leben und leisten oftmals einen entscheidenden Beitrag zur Einkommenssicherung. Einen methodischen Ansatz, die Komplexität dieser Stadt-Land-Beziehungen zu erfassen, abzubilden und zu analysieren,liefertdie„multisitedEthnography“.Wieaberlässtsicheinemultilo- kale Forschung konkret umsetzen und welche Möglichkeiten bietet sie? Anhand einer Datenerhebung zu Remittances aus Namibia zeigt dieser Beitrag die Mög- lichkeiten eines systematischen Forschungsdesigns und beschreibt einen kon- struktivenUmgangmitdemgewonnenenDatenmaterial. EinordnungundÜberblick Urbane und ländliche Gebiete sind in weitenTeilen des subsaharischen Afrika durch eineVielzahl sozialer, kultureller und ökonomischer Austauschprozesse verwoben (vgl. Geschiere und Gugler 1998; Peil und Sada 1984; van Binsbergen 1998).InNamibia,wieauchinvielenanderenLänderndessüdlichenAfrika,sind dieseAustauschprozesseeineFolgederinKolonial-undApartheidzeitengepräg- ten zirkulären Migrationsmuster: Der Aufenthalt in den urbanen Zentren war der afrikanischen Bevölkerung häufig nur im Rahmen eines Arbeitsvertrages gestat- tet.DieMänner,diezurArbeitindenMinenundFabrikenangeworbenwurden, mussten ihre Familien oftmals in den„Homelands“ und„Bantustans“ zurücklas- sen, in die sie auch am Ende derVertragsdauer zurückkehren mussten (vgl. z.B. Murray1981;O’Laughlin1998;Winterfeldt2002). Diese historischen Entwicklungen, aber auch die chronische Erwerbsunsicher- Ethno S cripts