333 Die Wasserkultur der Villa Hadriana, Schriften der DWhG, Band 8, Siegburg 2008, ISBN 978-3-8334-4081-6 Das Abwassersystem des Serapeum-Canopus-Komplexes in der Villa Hadriana Marco Placidi (Übersetzung: Jens Köhler) 1. Vorbemerkung Die Villa Hadriana ist hinsichtlich unterirdi- scher Konstruktionen ein Mikrokosmos, der die wichtigsten und geläufigsten Typen von Hypo- gäen enthält, welche normalerweise auch im Stadtgebiet der Hauptstadt Rom angetroffen werden können. In diesem Zusammenhang ist folglich das Studium der unterirdischen Anlagen der Villa wichtig für das Verständnis der historisch- archäologischen Bedeutung des Monumentes, aber vor allem ist es von grundlegender Wichtigkeit für das Verständnis der Anlagen selbst (besonders der hydraulischen). Denn diese können in der Villa Hadriana ungestört von größeren Umänderungen und Verzerrun- gen erforscht werden; diese hydraulischen Anlagen sind in anderen Kontexten, wie sie in der Stadt Rom vorliegen, oftmals verän- dert, verfälscht und aus dem originalen Funk- tionszusammenhang gerissen. Das Studium der unterirdischen Konstruktio- nen wird erstmals unter wissenschaftlichen Forschungskriterien angegangen, und vor allem unter Einsatz angemessener technischer Hilfsmittel, die eine Dokumentation auch kleinster Hohlräume erlauben. Auf dieser neuen, an unpublizierten und heterogenen Bestandteilen reichen Arbeitsgrundlage wer- den neue Theorien zur Wassertechnik ent- worfen und diskutiert; und zwar sowohl zur Wasserversorgung als auch zur Wasserent- sorgung des zentralen und peripheren hydrauli- schen Systems, welches das Funktionieren des gesamten archäologischen Bereiches erlaubte 1 . 1 Der Ingenieur Ambrogio Del Caldo von der Società Pirelli hat auf Veranlassung von Salvatore Aurigemma eine Einzelstudie über das hydraulische System des Canopus erstellt. s. A. Del Caldo, Il sistema idraulico del Canopo, in: Aurigemma 1961, 127-134. Die Untersu- chung betraf jedoch grundsätzlich das Wasserversor- gungssystem, während das Abwassersystem vollständig unbeachtet blieb. In dieser Beziehung sagt Del Caldo Nunmehr schon seit einigen Jahren besteht die Zusammenarbeit zwischen „Roma Sotterranea“ und Prof. Dr.-Ing. Henning Fahlbusch von der Fachhochschule Lübeck, mit dem Ziel der Er- forschung der unterirdischen hydraulischen Einrichtungen in der Villa Hadriana (Tivoli). Abb. 1: Latrine auf der Ostseite (EZT 35), von der aus die Inspektion der Anlage möglich wurde. Man beach- te auf dem Fußboden die von der Entfernung eines Bleirohres stammenden Spuren. a. O. 128: „Nel centro del criptoportico corre sotto al pavimento un cunicolo di fognatura: non mi è dato di controllare quanti discendenti sono ad esso collegati ed in che modo.“ (In der Mitte des Cryptoporticus verläuft unter dem Fußboden ein Abwasserkanal: Es war mir nicht möglich zu überprüfen, wieviele Fallschächte mit diesem verbunden sind und auf welche Weise).