1 Die Omega-Krise. Ellen White und die kommende Zerreißprobe für die Adventgemeinde. von René Gehring (BWgung 1/2014, S. 17-21) „Die Sache hat mich fast mein Leben gekostet“ (1SM 199), schrieb Ellen White im Sommer des Jahres 1904 über die sogenannte „Alpha-Krise“. Sie meinte damit die pantheistischen Irrlehren Dr. John Harvey Kelloggs (1852-1943), wie sie in seinem 568 Seiten starken Buch The Living Temple (Der lebende Tempel) zum Ausdruck kamen. Das Buch war 1903 erschienen. Kellogg, Miterfinder der Cornflakes und Erfinder der Erdnussbutter, galt als einer der renommiertesten Ärzte der USA. James und Ellen White hatten sein Medizinstudium finanziert. Schon kurz nach seiner Promotion (1875) übernahm er die ärztliche Leitung des adventistischen „Health Reform Institute“ in Battle Creek, später bekannt als Battle Creek Sanitarium. Schon vor dem Erscheinen seines Buches lehrte er, Gott würde in jeder Blume, jedem Blatt, jedem Grashalm und auch jedem Sünder leben. Ein persönlicher Gott, ein materielles, reales Heiligtum mit Jesus als unserem Hohepriester, der gerade im Untersuchungsgericht für uns eintritt, sowie weitere Kernlehren des Adventismus wurden damit vergeistigt und verloren ihre Kraft. Die so wichtige praktische Frömmigkeit (2. Tim. 3:5) und das Trachten nach Heiligung (Hebr. 12:14) wurden unwichtig. Mit The Living Temple ging Kellogg zum offenen Kampf über und trotzte damit den ernsten Aufrufen Ellen Whites. Diese schrieb schließlich im Sommer 1904 ein 60-seitiges Traktat, in dem sie vor Kelloggs Anschauungen warnte. 1 Dieses Papier enthielt zwei höchst interessante Briefe über „das Alpha und das Omega“ (nachgedruckt in 1SM 193-208). Sie bezeichnete die damalige Krise als das Alpha und nannte eine noch viel gefährlichere Krise am Ende das Omega. In ihren Schriften bezieht Ellen White „Alpha und Omega“ ansonsten fast ausschließlich auf Jesus Christus, wie er sich in der Offenbarung des Johannes präsentiert. Daneben gibt es einige wenige Verwendungen des Begriffs „Omega“ hinsichtlich des Themas Bildung/Erziehung. Hier spricht sie entweder von dem Alpha der Ausbildung in dieser Welt, während das Omega unserer Erziehung erst in der himmlischen Welt erreicht werden wird; 2 oder sie bezeichnet die gesamte Heilige Schrift als das „Alpha und Omega“. 3 Lediglich an vier Stellen bezieht sie sich mit dem Ausdruck „Omega“ auf theologische Irrlehren, die der Gemeinde großen Schaden zufügen werden. Neben den umfassendsten Ausführungen in 1SM 193-208 behandelt sie das Thema auch in einem Gespräch vom 18. Mai 1904 (siehe 1SAT 340-348). 4 Interessanterweise beginnt sie dieses Gespräch mit dem Hinweis, dass wir die Offenbarung zum Gegenstand unseres besonderen Studiums machen sollten, um Satans enorme 1 Vgl. Ellen G. White, Testimonies for the Church Containing Letters to Physicians and Ministers Giving Messages of Warning and Words of Counsel Regarding Our Present Situation, Special Testimonies, Series B, No. 2. 2 Siehe 4MR 157 (=20MR 203); 6MR 370.373. 3 Zu finden in RH 02.08.1906 (=PC 82; vgl. GW 309 und 21MR 336 (=SpM 87): Die Bibel ist das Alpha und Omega des Wissens); ähnlich 5MR 118. 4 Die Aussagen in 1SAT 340-348 sind jenen in 1SM 199-208 sehr ähnlich, beide stimmen zum Teil wörtlich überein, jedoch nicht identisch. Daneben wäre noch 11MR 211-215 (=MR no. 891) zu erwähnen, in dem aber keine neuen Details zum Thema gegeben sind.