Zu Hause beim GAL MEŠEDI in Ḫattuša Andreas Schachner Die hethitische Hauptstadt Ḫattuša zeichnet sich durch zahlreiche, unterschied- lich große, topographisch jedoch klar voneinander abgegrenzte Einheiten aus, die in der Regel auch funktional definierten Stadtteilen entsprechen. Die westliche Oberstadt ist in mehrere solche Einheiten gegliedert, von denen neben der Tal- senke westlich von Sarıkale zwischen 2006 und 2009 auch eine Geländeterrasse zwischen Sarıkale und Yenicekale erforscht wurde (Abb. 1). Auf diesem ,Mittleren Plateau‘, das Teile der nördlichen Stadt und der Budaközü-Ebene überblickt, und dem innerhalb der Stadt große strategische Bedeutung zukommt, da über dieses ein direkter Zugang zum zentralen Tem- pelviertel führt, wurde ein großes hethitisches Gebäude freigelegt (Abb. 2). 1 Während dessen westlicher Teil in byzantinischer Zeit gestört wurde, ist der Rest soweit erhalten, daß der regelmäßige Grundriß rekonstruiert werden kann (Abb. 2 und 3). Dieser zeichnet sich durch die Verwendung vorgeplanter Mo- dule aus, die zu einem symmetrischen und nahezu quadratischen Gebäude zusammengesetzt wurden. Da die Außenmauern gut erhalten sind, kann der Eingang nur auf der West- seite gelegen haben. Während im Süden fünf quadratische (Vorrats-)Räume (1–4, 21) das Gebäudes abschließen, bilden zwei identische Raumgruppen den mittleren Teil (5, 6, 8 und 12 im Osten bzw. 10, 10a, 10b und 11 im Westen; Abb. 3 und 4a). 2 Im Norden flankieren zwei Module (16, 20 bzw. 13, 17) eine mittige Raumgruppe (14, 15, 18, 19), wobei jedoch nur die westlichen Räume 16 und 20 im Erdgeschoß liegen. Die übrigen bilden unter Ausnutzung des abfallenden Hangs ein Kellergeschoss, das von den Räumen des Erdgeschosses in einer in der hethitischen Architektur einmaligen Art L-förmig eingefaßt wird (Abb. 4b). 3 Dieser Plan wurde während der Nutzungszeit nur in der Südostecke durch die Zusammenlegung der Räume 1 und 2 modifiziert (Abb. 3). Die Nutzung des Gebäudes, das auf dem gewachsenen Boden errichtet wurde, kann anhand von 14 C-Datierungen, datierten Keilschrifttexten und Bullae sowie 1 Schachner 2007, 2008, 2009, 2010. 2 Die Räume 7 bzw. 9 sind den beiden Raumgruppen zwar funktional zugeordnet (Abb. 4a), baulich trennen sie diese jedoch (s. unten S. 189). 3 Die hangseitige Anlage eines Kellers ist bei den Wohnhäusern in der Unterstadt nicht belegt; sie findet sich abgesehen von einem Wohnhaus der kārum-Zeit auf Büyükkale nur bei Monumentalbauten (allg. Neve 1999). in: A. Müller-Karpe, E. Rieken, W. Sommerfeld (Hrsg.), Saeculum. Gedenkschrift für Heinrich Otten anlässlich seines 100. Geburtstags, StBoT 58 (Wiesbaden 2015) 189-209