1654 Singer, Kurt Person und Werk geb. am 18.5.1886 in Magdeburg. gest. am 14.2.1962 in Athen, dort begraben. religionszugehörigkeit: evang. vater: Maximilian, Textilkaufmann. mutter: Mary, geb. Peartree. geschwister: Edith, 1941 aus Hamburg deportiert, ermordet im KZ Litzmannstadt (Lo ´ dz ´). familienstand: ledig, keine Kinder. erben: Helene Rosenbaum; Eva Strauss-Buber; Elsa Brinckmann u. a.; Stefan George Stiftung. Als Sohn eines aus Schlesien stammenden jüdi- schen Kaufmanns und einer englischen Mutter wuchs S. in Magdeburg auf und besuchte das dortige Realgymnasium. Nach der Reifeprüfung 1904 folgte ein breit angelegtes Studium der Na- tionalökonomie, Literaturwissenschaft, Kunst- geschichte, Soziologie und Philosophie an der Universität Berlin, mit einsemestrigen Studien- aufenthalten in Freiburg und Genf. Den Kunst- historiker Heinrich Wölfflin und den Soziologen Georg Simmel hat S. zeitlebens zu seinen wich- tigsten Lehrern gezählt. In der Neuen Rund- Singer, Kurt schau veröffentlichte er zwischen 1906 und 1908 eine Reihe literaturkritischer Essays und Rezensionen und eine Übersetzung von Andre ´ Gides Heimkehr des verlorenen Sohnes. Den Dichter Albert Verwey besuchte S. wiederholt im niederländischen Nordwyk, 1 mit Martin Buber und Ernst Robert Curtius stand er seit seiner Studienzeit in freundschaftlichem Kontakt. Ver- mittelt durch Buber lernte er bald auch Else Las- ker-Schüler persönlich kennen. 2 Da er nach eigener Aussage aber die Gebiete seiner „tieferen Anliegen“ von „professionellen Notwendigkeiten“ freizuhalten suchte, 3 sollte das Studium der Nationalökonomie fortan S.s beruflichen Weg bestimmen. Volkswirtschaft und Handelslehre studierte er zunächst bei Gus- tav von Schmoller und Adolph Wagner in Berlin, später bei dem Geldtheoretiker Georg Friedrich Knapp in Straßburg. Die Hinwendung zur öko- nomischen Geldtheorie war wohl durch Sim- mels Philosophie des Geldes (1900) motiviert. Nach abgeschlossener Promotion zum Dr. rer. pol. mit einer Arbeit zum Thema Die Motive der indischen Geldreform wurde S. zunächst 1910/11 wissenschaftlicher Sekretär am ameri- kanischen Konsulat in Chemnitz, danach 1912/13 Assistent Friedrich Bendixens an der Hamburger Hypothekenbank. In Hamburg folgte eine reiche wirtschaftsjournalistische Tä- tigkeit, im Rahmen derer er die Knappsche Geldtheorie kompromisslos verfocht – erst als leitender Handelsredakteur des Hamburgischen Correspondenten, dann ab 1917 als Mitarbeiter und ab 1919 als Schriftleiter des Wirtschafts- dienstes. S. pflegte freundschaftlichen Umgang mit John Maynard Keynes, der dem ,mystischen Ökonomen aus Hamburg‘ seine Schriften zur Übersetzung für den Wirtschaftsdienst zur Ver- fügung stellte. Etwa fünfzig von S.s eigenen Bei- trägen erschienen 1924 in einem Sammelband unter dem Titel Staat und Wirtschaft seit dem Waffenstillstand. In Hamburg widmete sich S. nun auch ver- stärkt der akademischen Lehre, seit 1913 im Rahmen des Allgemeinen Vorlesungswesens, ab 1919 an der neu gegründeten Universität Ham- burg. Mit einer semiotischen Arbeit, die unter dem Titel Das Geld als Zeichen erschien, wurde er dort 1920 habilitiert und erhielt die Venia le- gendi für Volksökonomie und Soziologie. Einen