„Beizjagd“ auf den Rothirsch 481 Sigmund Oehrl „Beizjagd“ auf den Rothirsch – Asiatische Jagdmethoden im Norden, keltische Vorbilder oder germanisches Jägerlatein? 1 „The death of the gazelle is now considered the highest triumph of Eastern falconry. As with us, there are amongst them traditions that in ancient times the haute volerie was of a nobler kind, – that the wolf of the woods and the wild sheep of the hills were the favorite quarry of the barons, white and black, who, ignoring or disdaining such poaching tools as musket and matchlock, prided them- selves upon the prowess of a hawk as of a son or a second self.“ (Sir Richard Francis Burton) I Einführung in die Problematik Den Ausgangspunkt der folgenden ikonografisch-jagdhistorischen Überlegungen stellen die figürlichen Bilder auf dem spätwikingerzeitlichen Runenstein von Ba- lingsta in Uppland dar (U 855, Abb. 1). 2 Der Stein war bereits im 17. Jahrhundert be- kannt und lag zu jener Zeit in vier Fragmente zerbrochen auf einer Wiese. Ein fünftes Bruchstück war in der Mauer des Kirchhofs verarbeitet. 1864 hat man die herumlie- genden Steinfragmente an gut sichtbarer Stelle, in etwa 100 Meter Entfernung unmit- telbar am Weg zwischen Balingsta und Balingsta-Böksta, wieder zusammengefügt und aufgestellt. Das einst in der Kirchhofmauer verbaute Stück ist erst im Jahr 2004 aufgefunden und einbezogen worden. 3 Das Denkmal besteht aus Granit und ist 2,57 m hoch und 2,12 m breit. Die Runeninschrift ist auf einem zoomorphen Band platziert, das dem Typ Pr2 nach Anne Sofi Gräslund 4 zugeordnet und etwa in die erste Hälfte des elften Jahrhunderts datiert werden kann. Der Stein wurde in Gedenken an einen gewissen Eistr von dessen Eltern und Geschwistern errichtet. Die rundliche, vom In- schriftenband umgebene Bildfläche bietet folgende Jagddarstellung: In der Mitte der Fläche befindet sich ein Reiter auf einem großen Pferd. Er hält eine Lanze in der einen und vielleicht die Zügel des Pferdes in der anderen Hand. Vor dem Pferd sind offenbar zwei Hunde zu sehen, die einen größeren Vierfüßler verfol- gen. Es handelt sich um einen Geweihträger. Nur eine Geweihhälfte ist von der Seite sichtbar. Die Geweihstange ist nach hinten gerichtet und mit fünf sehr langen Enden 1 Zu diesem Thema erscheint mit zeitlich geringem Abstand ein weiterer, weniger umfangreicher Beitrag in Englischer Sprache, der weitere Informationen, Quellen und ergänzendes Bildmaterial ent- hält: Oehrl im Druck. 2 Jansson / Wessén 1949–1951, S. 505–518; Christiansen 1997, S. 161–167; Oehrl 2006, S. 118–122. 3 Jüngst veröffentlicht: Åhlén 2010, S. 102f. 4 Gräslund 1991; Gräslund 1992; Gräslund 1994; Düwel / Gräslund 2003. Bereitgestellt von | De Gruyter / TCS Angemeldet | 46.30.84.116 Heruntergeladen am | 02.06.14 10:47