Symbolische Markierungen im Stadtraum Cornelia Dlabaja Einleitung Die Auseinandersetzung mit Stadträumen und städtischen Lebenswelten auf Quartiersebene hat in der Stadtforschung eine lange Tradition. Urbanisie- rungsprozesse wurden stets auch auf der Ebene des Stadtquartiers erforscht. Die Chicagoer Schule, die Wiege der modernen Stadtsoziologie, befasste sich ab den 1920er Jahren mit dem Phänomen der Stadtkultur und Lebenswelten in der Stadt (vgl. Atteslander/Hamm 1974; Lindner 1990). „Go into the district“, „get the feeling“ und „become acquainted with people“ sind einige der be- kanntesten Anweisungen, welche Park seinen StudentInnen gab (Lindner 1990: 10). Es war die Aufforderung, sich in das städtische Dickicht zu wagen, hinaus in die Quartiere zu gehen und dort das urbane Leben zu erforschen. Ihr folgend begann ich meine Forschungsarbeit im Brunnenviertel, einem Quartier im 16. Wiener Gemeindebezirk. Die theoretischen Überlegungen zu den in diesem Beitrag formulierten Thesen vom urbanen Wohnzimmer und dem beobachteten Prozess der symbolischen und materiellen Umdeutungen des Stadtviertels basieren auf empirischen Befunden aus vorangegangenen Quartiersanalysen im Brunnenviertel sowie in anderen Stadtquartieren. Die Thesen wurden mittels der Methode der „Grounded“-Theorie entwickelt (vgl. Strauss 1998). Das hier vorgestellte Konzept ist also auch dem Kontext der qualitativen Quartiersforschung und der Erforschung des Stadtraums zu- zuordnen (Schnur 2008; Krusche/ JDZB 2008). Auf dieser Grundlage erfolgte eine theoretische Rückkoppelung der aus der Empirie entwickelten Thesen mittels raum- und stadtsoziologischer Theorien. Anknüpfend an die theoreti- schen Überlegungen schließt sich in Folge eine zweite Serie von qualitativen Quartiersanalysen an: In diesen sollten die bislang entwickelten Thesen näher erforscht werden, um das Phänomen besser beschreiben und verstehen zu können. Meine Forschungsfrage lautet dabei: Wie konstituieren sich sog. ur- bane Wohnzimmer auf symbolischer und auf materieller Ebene? Ich möchte mich in dem vorliegenden Beitrag auf zwei damit verknüpfte Fragestellungen konzentrieren: