87 Forum für Wissen 2009: 87–92 Langfristige Waldgrenzen-Forschung am Stillberg – vor lauter Bäumen den Wald noch sehen Peter Bebi 1, 2 , Frank Hagedorn 2 , Melissa Martin 1, 2 , Christian Rixen 1, 2 , Josef Senn 2 und Ueli Wasem 2 1 WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Flüelastrasse 11, CH-7260 Davos Dorf 2 WSL Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Zürcherstrasse 111, CH-8903 Birmensdorf bebi@slf.ch, frank.hagedorn@wsl.ch, m.martin@slf.ch, rixen@slf.ch, josef.senn@wsl.ch, ueli.wasem@wsl.ch 1971), mikroklimatische Unterschu- chungen (TURNER et al. 1975), Böden (BLASER 1980) und Lawinenaktivität (RYCHETNIK 1985). Zudem wurden zahlreiche Begleitstudien durchgeführt, beispielsweise zur Photosynthese und zur Transpiration (HÄSLER 1982) oder zum Wurzel- und Sprosswachstum (TURNER und STREULE 1983; HÄSLER et al. 1999). Eine umfassende Übersicht über den Beginn der Stillbergfor- schung wurde in SCHÖNENBERGER und FREY (1988b) gegeben. 1 Beginn der Stillbergforschung Die Versuchsfläche Stillberg in einem typischen Lawinenanrissgebiet an der alpinen Waldgrenze wurde in den 1950er Jahren im Rahmen des ersten gemeinsamen Forschungsprogramms zwischen den WSL Standorten Bir- mensdorf und Davos eingerichtet. Das Hauptziel der Versuchsanlage lag zu- nächst darin, ökologisch und technisch geeignete Verfahren für Aufforstungen in Lawinenanrissgebieten im Wald- grenzenbereich zu finden (TURNER 1985). Nach diversen Vorversuchen wurden im Jahr 1975 mehr als 92 000 Arven, Bergföhren und Lärchen in ei- nem regelmässigen Muster gepflanzt, 400 Schneepegel gesetzt und in einem Drittel der aufgeforsteten Versuchsflä- che temporäre Lawinenverbauungen errichtet (Abb. 1). In den darauf fol- genden Jahren wurde ein intensives Monitoring dieser Bäume betrieben, im Rahmen dessen die Bäume jährlich ausgezählt, vermessen und bezüglich Schädigungen untersucht wurden (SCHÖNENBERGER und FREY 1988a). In hoher zeitlicher und räumlicher Auflö- sung wurden auch die wichtigsten Kli- maparameter und andere Standortfak- toren erhoben, beispielsweise Vegeta- tion (KUOCH 1970), Wind (NÄGELI Am Stillberg wurde in den 1950er Jahren an der Waldgrenze eine Versuchsfläche zur Erforschung der Wiederherstellung des natürlichen Lawinenschutzes errich- tet. Der im Jahr 1975 systematisch mit 92 000 Bäumen bepflanzte Hang gibt seit- her Auskunft über die langfristige Wirkung verschiedener Umweltfaktoren an der alpinen Waldgrenze und über die Möglichkeiten und Grenzen von Hochlagenauf- forstungen. Seit einigen Jahren werden einzelne Bäume am Stillberg zudem expe- rimentell mit erhöhten CO 2 -Konzentrationen behandelt und erwärmt. Damit wurde der Stillberg zunehmend auch zum Experimentierfeld für die Beantwor- tung von Fragen rund um den Klimawandel. In diesem Beitrag ziehen wir eine Zwischenbilanz über die bisherigen Entwicklungen und zeigen, welche Lehren daraus im Hinblick auf die Bewirtschaftung von Waldgrenzen-Standorten und im Hinblick auf zukünftige langfristige Forschungsarbeiten gezogen werden können. Abb. 1. Aufforstung in der steilen Lawinenanrisszone am Waldgrenzenstandort Stillberg im Jahr 1975 (Foto: W. Schönenberger).