1 Die Einführung der Familiennamen und die Abschaffung der Titel in Iran Österreichische Akademie der Wissenschaften, April 2013 Vielen Dank, lieber Herr Professor Fragner, lieber Bert, für die netten Worte. In meinen letzten Freisemestern, vor sieben Jahren, verbrachte ich zehn Monate als Gastforcher am Institut für Iranistik hier in Wien, eine für mich unvergessliche Zeit während der ich das Institut und die Stadt lieben lernte. Es ist mir also nicht nur eine große Ehre, sondern auch eine große Freude, hier zu sein. Das Thema meines heutigen Vortrags habe ich nicht zufällig ausgewählt. Seit 1969 wird an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften über iranische Namen geforscht, und seit dem Bestehen des Instituts, seit zehn Jahren also, zählt die Onomastik zu den Hauptschwerpunkten seiner Forschungstätigkeit: zehn Bände des Iranischen Personennamenbuches sind bereits erschienen und noch mehr sind in Vorbereitung: ein wahrhaft monumentales Projekt. Ich bin kein Philologe, und so muss ich mich heute damit begnügen, die politischen und sozialen Hintergründe und Auswirkungen der iranischen Namensgesetzgebung im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts anzusprechen. Es geht um die Einführung von Familiennamen und die Abschaffung von Titlen. Wie bei fast allen Völkern war auch bei den Iranern die Namenspraxis ziemlich kompliziert. Dasselbe Individuum konnte während seines Lebens verschiedene Namen haben. Familiennamen an sich gab es nicht. Natürlich gab es einen Vornamen. Seit der Islamisierung Irans waren Vornamen meist islamischer Provenienz (Mohammad, Ali, Sahra), aber persische Namen verschwanden nie ganz: der Name Rostam, zum Beispiel, wurde auch außerhalb Irans beliebt, bis hin nach Indonesien. In der Neuzeit beginnt die Popularisierung der altpersischen Namen mit dem zweiten Herrscher der Kadscharendynastie, Fath-Ali Shah, der seinen Söhnen ab dem 21. oft persische Namen gab. Persische Namen blieben aber Ausnahmen. Um nun die 12 Ahmads und 10 Hasans in einem Ort voneinander zu unterscheiden, setzte man den Vornamen andere Namen hinzu. Das konnten Körpermerkmale sein, wie Hasan der Lange (Usun Hassan) oder Timur der Lahme, Teimur-e lang, also Tamerlan (in der Onomastik Übernamen genannt), oder auch Berufsbezeichnungen, wie zum Beispiel Omar der Zeltmacher, Omar Khayyam, oder Eskandar Beg der Sekretär, Eskandar Beg Monschi. Zudem konnte man den Namen des Vaters erwähnen, z.B. Ibn Sina (Avicenna) oder aber auch die Herkunft, wie z.B. Sakaria Rasi, Zacharias aus Rey. Dichter hatten