1 Der Aufstieg der Beratung zur transnationalen Regierungsform im Feld des Managements Christian Schmidt-Wellenburg erschienen in Berliner Journal für Soziologie H. 2, Jg. 24, 2014 Final publication is available at Springer via http://dx.doi.org/ 10.1007/s11609-014-0250-y 1 Einleitung Management und Beratung sind im Laufe des 21. Jahrhunderts zu allgemein anerkannten und nahezu allgegenwärtigen Tätigkeiten geworden. Heute managt man nicht nur Unternehmen, sondern auch Schulen, Staaten, Familien und sich selbst. Wenn dabei Probleme auftreten, bedient man sich eines Beraters, der den Fall von außen und daher „objektiv“ zu beobachten vermag und über Expertenwissen verfügt, das mit seiner Hilfe zur Problemlösung eingesetzt werden kann. Mögliche Beratung nicht in Anspruch zu nehmen, wenn wir etwas bewusst steuern wollen, erscheint heute irrational und Beratung deshalb als logische und notwendige Konsequenz der Rationalisierung unseres Alltags. Der Unternehmenskontext ist hiervon nicht ausgenommen. Hier gebietet die Vernunft, sich vor wichtigen Führungsentscheidungen des externen Rats einer Managementberatung zu bedienen. Diese Rationalitätserwartung ist in- zwischen sogar juristisch abgesichert, beispielsweise durch ein Urteil des Superior Court of North Carolina von 2001, das den Aufsichtsrat der Wachovia Bank bei deren Zusammen- schluss mit der First Union Bank vom Vorwurf der groben Fahrlässigkeit freisprach, da das „board of directors had followed the corporate strategy outlined in a McKinsey report that included the consultants’ analysis of a possible merger with First Union“ (McKenna 2006, S. 231). Managementberatung ist heute ein fester und dauerhafter Bestandteil des Managements. Das war aber nicht immer so. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts genoss der Beruf des Manage- mentberaters wenig Anerkennung. Bezeichnend ist die halb im Scherz vorgebrachte Erinne- rung von E.N.B. Mitton, in den 1930er-Jahren geschäftsführender Direktor von Bedaux Con- sulting England, an seinen Einstieg ins Beratungsgeschäft: „[H]e would rather tell his mother that he was working ‚as a pianist in the local brothel‘ than admit that he had joined a consul- ting firm“ (zitiert nach Kipping 2011, S. 537). Auch waren Manager noch keine Spezialisten