155 1 MAHR 1995, 68–84. 2 KONZE/SAMARITER 2012; KONZE ET AL. 2012; KONZE/SAMARITER, im Druck. 3 GROTHE/JUNGKLAUS 2009; EICKHOFF/ SCHOPPER 2012. 4 JUNGKLAUS/PREHN 2011. 5 BROCK/HOMANN 2011, 65. 6 FOCK 1872, 507. 7 MAHR 1995, 70–71. 8 Mit dem Westfälischen Frieden 1648 wurde Vorpommern und damit auch die Hansestadt Stralsund dem König- reich Schweden zuge- sprochen und blieb – mit Ausnahme der Zeit zwischen 1715 und 1720, als Stralsund dänisch war – bis 1815 unter schwedischer Herrschaft. 9 FOCK 1872, 519; in demselben Zusammen- hang wird erwähnt, dass Christian IV. (* 1577; † 1648), König von Dänemark und Norwegen, der Stadt „zu Fortificationszwecken“ drei Schiffsladungen Holz überließ, für die nur die Fracht bezahlt werden musste. Parallel zum Bau dreier unterkellerter Mehrfami- lienhäuser und einer Tiefgarage führte eine Gra- bungsmannschaft des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege im Jahre 2010 auf einer etwa 5000 m 2 großen Fläche in dem südöstlich der Stralsunder Altstadt gelegenen Quartier Franken- hof umfangreiche Bergungs- und Dokumenta- tionsmaßnahmen durch (Abb. 1). Die Grabungs- fläche bot ein komplexes Befundbild, das die Zeitspanne vom 14.–19. Jahrhundert abdeckte. Das Gelände lag in Mittelalter und Neuzeit direkt am Strelasund, dessen Ufer sich infolge Landge- winnungsmaßnahmen seit dem Ende des 14. Jahr- hunderts immer weiter nach Osten verschob. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, besonders seit der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs stand die Frankenvorstadt im Zeichen des Aus- baus der Festungsanlagen. Die spätere Grabungs- fläche lag über der östlichen Halbbastion des Frankenkronwerks, das im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) erfolgreich verteidigt, aber im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg (1674– 1679) eingenommen wurde. Die Eroberung des Frankenhornwerks, dem baulichen Nachfolger des Kronwerks, geschah im Nordischen Krieg (1700–1721). Beides – die Bauwerke wie auch die verlustreichen Kämpfe um die Stadt Stral- sund – haben ihre Spuren im Boden hinterlassen (Abb. 2). Das Frankenkronwerk zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) Das Frankenkronwerk war im Sommer 1628 Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen den angrei- fenden kaiserlichen Truppen unter der Leitung von Generalfeldmarschall Graf Hans Georg von Arnim-Boizenburg (* 1583; † 1641) und den Verteidigern der Stadt Stralsund. Maßgeblich an der erfolgreichen Verteidigung beteiligt waren schottische Regimenter, unter anderem unter Führung von Major Robert Monro (* ?; † 1680), der seinen Kampfeinsatz in Stralsund in seinem Werk „Kriegserlebnisse eines schottischen Söld- nerführers in Deutschland 1626–1633“ be- schrieb 1 und damit zu einem der wichtigsten Chronisten der Belagerung wurde. Während der Kämpfe wurden zwei schwer verwundete Männer in einem Laufgraben ver- schüttet und blieben zusammen mit sieben Blank- waffen, sieben Stangenwaffen, zwei Schusswaf- fen, einem Musketenkolben, zwei Pikenspitzen, einem Beil, einer fragmentierten Holzdose, 46 Musketenkugeln und Schanzwerkzeug (Hacke und Schaufel) unentdeckt, bis sie während der Ausgrabung im Jahr 2010 wieder zutage kamen (Abb. 3). 2 Diese Momentaufnahme aus der Be- lagerung Stralsunds unterscheidet sich von den Massengräbern des Dreißigjährigen Kriegs wie etwa Wittstock/Brandenburg 3 oder Neubranden- burg/Mecklenburg-Vorpommern 4 insofern, als der Laufgraben für die beiden Männer zwar zum Grab wurde, aber nicht als solches angelegt worden ist. Es handelt sich um einen „der spek- takulärsten neuzeitlichen Funde Deutschlands der letzten Jahre“. 5 Das Kronwerk (Außenwerk mit einer gan- zen und zwei halben Bastionen) war dem archäo- logisch erhaltenen Bestand zufolge damals ein Erdbauwerk ohne hölzerne Einfassungen. Der schwedische Ingenieur A. Fielittz zeichnete 1628 die einzige Karte, die das Aussehen des „unvoll- kommenen und unregelmäßigen Außenwerks“ 6 während der Belagerung zeigt. Robert Monro be- schreibt es als „ … außerhalb der Stadt liegende, flüchtig befestigte Vorwerke, die nur einen trockenen Graben hatten.“ 7 Während der Belagerung verband sich Stral- sund durch einen auf 20 Jahre angesetzten Alli- anzvertrag mit Schweden, das sich von nun an maßgeblich am Ausbau der städtischen Verteidi- gungsanlagen beteiligte. 8 So schenkte der schwe- dische König Gustav II. Adolf (* 1594; † 1632) Stralsund für die Befestigung des Hafens 3000 Bäume „… welche die Stadt nur aus Schweden ab- holen zu lassen brauchte.“ 9 Unmittelbar nach der Belagerung wurde vor dem Frankentor „… ein neues regelmäßiges Kron- werk angelegt, bestehend aus einem großen Bastion in der Mitte und zwei Halb-Bastionen je zu beiden Seiten … Der früher sehr flache Graben dieses Vom Kronwerk des Dreißigjährigen Kriegs zum Hornwerk des Nordischen Kriegs – Festungsbau in der Stralsunder Frankenvorstadt Marlies Konze und Renate Samariter Abb. 1. Hansestadt Stralsund, Lage der Grabungsfläche (rot markiert).