Unser aller Kulturgut: Eine ethnologische Annäherung an das UNESCO-Welterbe Von Christoph Brumann Einleitung Noch in den späten 1990er Jahren verwunderte mich die in den Platz vor dem Kölner Dom eingelassene Metallplatte, die diesen als Welterbe der UNESCO auswies obschon damals als Fremdenführer im Einsatz, hatte ich von dieser Ehrung nichts mitbekommen. Ein Dutzend Jahre später dürfte solche Unkenntnis nicht nur in Köln wo es eine lange Aus- einandersetzung mit dem UNESCO-Welterbekomitee gab (Schmitt und Schweitzer 2007) selten geworden sein. Der Welterbetitel hat sich zu einem der bekanntesten globalen Gütesiegel entwickelt, und die 1972 verabschiedete Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage ist das unbestrittene Flaggschiff der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO), das auch ihre Aktivitäten im erklärten Prioritätsbereich der Bildung in den Schatten stellt. 187 Staaten das heißt fast alle haben die Konvention ratifiziert, 911 Stätten in 151 Staaten stehen auf der World Heritage List, und 1493 mögliche Kandidaten drängeln sich auf den tentative lists, die zu führen die Vertragsstaaten gehalten sind. Die Internet-Sichtbarkeit kann sich mit der anderer berühmter Auszeichnun- gen messen (Tabelle 1), und für den Tourismus hat der Welterbestatus eine oft geradezu magnetische Wirkung. Für die virtuelle Erfahrung bieten Welterbe-Atlanten, -Photobände, -Fernsehserien und -Websites umfang- reiche Möglichkeiten, und World Heritage Studies kann man bereits an mehreren Universitäten (u. a. der BTU Cottbus) belegen und dabei auf eine stetig wachsende Fachliteratur zurückgreifen. Und selbst zum Kriegs- grund ist das Welterbe schon geworden: Die 2008 erfolgte Einschreibung des von Kambodscha vorgeschlagenen, aber auch von Thailand bean- spruchten Khmer-Tempels Preah Vihear hat zu einem blutigen und gegenwärtig andauernden Konflikt zwischen den beiden Armeen geführt. Die ethnologische Beschäftigung mit dem Welterbe lohnt sich aus mehreren Gründen. Das Innenleben solcher multilateraler Arenen der