Games People Play (Every Night and Every Day) Mathias Fuchs, The University of Salford mathias.fuchs@creativegames.org.uk © 2012 Author & Publisher (MiDiHy and MVD, Graz). Personal and educational classroom use of this paper is allowed, commercial use requires specific permission from the author and publisher. „Eine Epoche kann durch die ihr eigenen Spiele charakterisiert werden“, behauptet Roger Caillois und fährt fort: „Es erscheint uns nicht unsinnig, die Diagnose einer Zivilisation so zu beginnen, daß wir fragen, welche Spiele in dieser Zivilisation besonders prosperieren.“ [Caillois, 1967] Welche Spiele prosperieren also in unserer Epoche, unserer Zivilisation? Ist es Tomb Raider, ist es Super Mario, sind es Fernsehspiele wie Big Brother oder Taxi Orange? Die Einschätzung unseres zivilisatorischen Zustandes müßte davon abgeleitet werden können, daß wir einen Nachmittag im römischen Kolosseum zur Zeit Hadrians vergleichen mit einem viktorianischen Bridgeabend im Brighton des 19. Jahrhunderts und dieses wiederum mit einer Frag‐Night [1] im East‐End Londons. Wer noch tiefer absteigen will in die Gruft der Zivilisationskritik, vergleiche damit die Fernsehspiele, die das österreichische Fernsehen als Abendbelustigung anbietet. Seit dem Zeitpunkt, zu dem Caillois seine Thesen formulierte, sind 40 Jahre vergangen und die Spielelandschaft hat sich radikal verändert. Aus den harmlosen Gesellschaftsspielen Halma, Monopoly und Mensch‐Ärgere‐Dich‐Nicht entwickelten sich First Person Shooter und Multiplayer „Shoot‘ em Ups“ [2] . Aus ebenso freundlichen wie leicht‐ seichten Fernsehprogrammen im Stile von Dalli‐Dalli wurden exhibitionistische Survival‐Tests, die den neo‐liberalen Wertekodex ins Wohnzimmer transportieren. Diejenigen Spiele, die als Lernhilfen für autochtone Wohnzimmerlämmer Sozialdarwinismus unterrichten sollen, erfüllen eine Funktion, von der Caillois meinte, „sie unterrichten und richten die Spieler ab, errichten Werte und bestätigen inseitig Gewohnheiten oder Vorlieben.“ In diesem Sinne muß man Wettbewerbe, in denen jeder Fernsehdarsteller gegen seine Teamgefährten und das Publikum gegen alle kämpft, als verschärfte Version der Gladiatorenkämpfe sehen. In letzteren konnte immerhin an cäsarische Milde oder die Barmherzigkeit des Publikums appelliert werden. Was aber bedeutet es, wenn das Prinzip der Belohnung der Spieler (Wünsch Dir was) durch ausschließliche Negativsanktionen (Big Brother) ersetzt wird? Nichts Gutes möchte man meinen.