Andreas Luckner Wie man zu sich kommt – Versuch über Authentizität Was meinen wir, wenn wir von einer Person sagen, sie sei in ih- rem Handeln oder Sprechen »authentisch«? Wir schreiben einer Person oder ihrem Reden und Handeln Authentizität dann zu, wenn ihre ¾ußerungen uns echt, glaubwürdig und wahrhaftig vorkommen, also nicht erfunden, gefälscht, nur aufgesetzt oder vorgetäuscht. Jemand redet oder handelt dann authentisch, wenn das, was er sagt und tut, wirklich von ihm selbst gemeint und aus einem innersten, »ureigensten« Antrieb heraus getan wird. Authentische Rede, authentisches Handeln verweist uns damit auf so etwas wie den innersten Kern einer Person, ihr wirkliches, wahrhaftes oder auch »eigentliches« Selbst. Mit anderen Worten: Authentizität in Bezug auf Menschen meint ihr freies Selbstsein. Aber – was heißt das genau? In einer sehr klärungsbedürftigen Weise hat Authentizität of- fenbar etwas zu tun mit der Identität der Person, deren ¾uße- rungen uns auf ihre Echtheit bzw. Authentizität hin fraglich sein mag oder nicht. Zwar ist die Identität von Personen strukturell zu unterscheiden von der Identität von Gegenständen, dazu gleich mehr; aber offenbar sprechen wir auch schon in Bezug auf die Identität von Gegenständen von Authentizität im Sinne von Echt- heit. Die Authentizität eines Gegenstandes kann im Prinzip von außen festgestellt werden, so etwa (bei aller natürlich gegebener Täuschungsmçglichkeit) die Authentizität eines Glaubenszeugnis- ses, eines historischen Berichtes, eines Kunstwerks. Auch in Bezug auf Menschen, insofern sie durch äußerliche Merkmale identifi- zierbar sind, kann man dieses Authentizitätsverständnis wieder Kuhl-Luckner_8856_06 / Seite 9 / 5.1.2007 9 aus: Julius Kuhl, Andreas Luckner, Freies Selbstsein, Göttingen 2007