GfA (Hrsg.) 2011, Mensch, Technik, Organisation - Vernetzung 295 Nutzerakzeptanz von Systemausprägungen zur Aktiven Gefahrenbremsung Martin JENTSCH, Philipp LINDNER, Birgit SPANNER-ULMER, Gerd WANIELIK und Josef F. KREMS I-FAS: Interdisziplinäres Zentrum für Fahrerassistenzsysteme, Technische Universität Chemnitz, D-09107 Chemnitz Kurzfassung: Im Rahmen des AKTIV-Projektes wurde durch das I-FAS der TU Chemnitz eine Probandenstudie zur Akzeptanz von Systemausprägungen einer Aktiven Gefahrenbremsung bei PKW durchgeführt. Es wurden sechs von den AGB Partnern implementierte Systemausprägungen getestet. In unerwartet auftretenden kritischen Fahrsituationen und wenn keine Vergleichsmöglichkeit mit anderen Systemausprägungen vorhanden ist, werden die sechs Systemaus- prägungen nahezu identisch bewertet. Insgesamt zeigen die Ergeb- nisse, dass die Nutzerakzeptanz gegenüber der Assistenzfunktion „Aktive Gefahrenbremsung“ sehr hoch ist. Schlüsselwörter: Fahrerassistenzsysteme, Aktive Sicherheit, Benutzertest, Nutzerakzeptanz. 1. Einleitung Im Jahr 2009 wurden auf deutschen Straßen bei Verkehrsunfällen 4152 Menschen getötet und 397671 verletzt. Trotz der immer noch hohen Anzahl bedeutet dies die geringste Zahl an Verkehrstoten seit Einführung der Statistik im Jahr 1950. Knapp ein Viertel der Unfälle mit Personenschäden kam dabei durch Kollisionen im Längs- verkehr zu Stande (Statistisches Bundesamt, 2010) und hätte durch Systeme der ak- tiven Sicherheit, wie z. B. der Aktiven Gefahrenbremsung (AGB), verhindert werden können. Zur Bestimmung von Wirksamkeit und Kundenakzeptanz der AGB-Funktion wurde auf dem Flughafen- und Testgelände Großenhain vom I-FAS der TU Chemnitz ein Fahrversuch durchgeführt. Dabei wurden drei Bremsstrategien mit jeweils zwei mög- lichen Zeitpunkten einer akustischen Warnung untersucht. Alle sechs Systemaus- prägungen sind zur Unfallvermeidung im Rahmen der Systemgrenzen ausgelegt und bremsen das Fahrzeug bis zum Stillstand ab. Die Vollbremsung (VB) greift mit einer Bremsstärke von -7 m/s² ein. Bei der Teilbremsung (TB) wird das Fahrzeug mit -4 m/s² bis zum Stillstand verzögert. Die kombinierte Bremsung (KB) bremst für 0,7 s mit einer Stärke von -4 m/s², die sich danach auf -7 m/s² steigert und bis zum Still- stand anhält. Für jede Bremsstrategie gibt es entweder einen Warnton, der gleichzei- tig mit dem AGB-Bremseingriff einsetzt (WT1), oder einen Warnton der 0,5 s vor dem automatischen Bremseingriff ertönt (WT2). 2. Methode Zur Bestimmung der Nutzerakzeptanz wurde der an die Theorie des geplanten Verhaltens (Ajzen 2006; Francis et al. 2004) und der einschlägigen Literatur auf dem