482 Historische Zeitschrift // BAND 301 / 2015 Walter Pohl / Gerda Heydemann (Eds.), Strategies of Identification. Ethnicity and Religion in Early Medieval Europe. (Cultural Encounters in Late Antiquity and the Middle Ages, 13.) Turnhout, Brepols Publishers 2013. XII, 349 S., € 90,–. // doi 10.1515/hzhz-2015-0406 Laury Sarti, Berlin Mit der Frage, welche Rolle die Religion in der nachrömerzeitlichen Identitätsbil- dung und der Gestaltung neuer ethnischer Zugehörigkeiten im lateinischen Westen einnahm, widmet sich der hier zu rezensierende Band einem bisher vernachlässig- ten Aspekt eines bereits intensiv diskutierten Themas. Er umfasst ein Vorwort und eine Einführung sowie sechs Aufsätze, die alle Forschungsergebnisse präsentieren, die im Rahmen der mit dem 2004 an Walter Pohl verliehenen Wittgenstein-Preis fi- nanzierten Projekte erzielt wurden. Die von W. Pohl verfasste ausführliche Einleitung führt in das komplexe Thema frühmittelalterlicher Identitäten und hiermit zusammenhängenden Fragen und Methoden ein und stellt fest, dass gesellschaftliche Identität(en) nicht unveränder- lich gegeben sind, sondern mittels unterschiedlichster Formen der Kommunikation immer wieder neu ausgehandelt werden können. Der in diesem Zusammenhang ge- führte Diskurs ermögliche es, Identität und deren Veränderung anhand von Texten zu untersuchen. Die daran anschließenden Darstellungen zeigen mögliche Herangehensweisen auf und illustrieren damit das Potential der vorgeschlagenen Fragestellung. Die Stu- die von R. Corradini weist auf das zwischen Eutopie und Dystopie pendelnde Parado- xon in den von Augustinus dargelegten civitas dei und civitas terrena hin. Er diskutiert die damit aufgebauten Gegensätze und eröffneten Möglichkeiten der Identifizie- rung und geht dabei insbesondere auf das Konzept der peregrinatio ein. Der Beitrag von G. Heydemann analysiert die in der Expositio psalmorum des Cassiodor verwende- te Charakterisierung von Christen und ethnischen Gruppen, wobei sie die Verwen- dung der Begriffspaare gens und gentes eingehend untersucht. Dabei stellt sie fest, dass die religiöse Zugehörigkeit ein wichtigeres Kriterium ist als die Herkunft. Die Begrifflichkeit wird bewusst so umgedeutet, dass sie alle (potentiellen) Christen mit- einschließt. Die Untersuchung von M. Diesenberger verweist auf den anhaltenden Einfluss der in den MGH vorgeschlagenen Präferenzen von Texten, Lesarten und Deutungen, die bei der Zuordnung frühmittelalterlicher Identitäten zu nicht uner- heblichen Fehlinterpretationen geführt haben. Lange wurden die Perspektive der