1 Přemysl Bar ANTIHUSSITISCHE PROPAGANDA KÖNIG SIGISMUNDS WÄHREND DES ERSTEN UND ZWEITEN HUSSITENKREUZZUGES 1 I. Definition und Objekt Obwohl der Begriff „Propaganda“ dem Mittelalter unbekannt war und sich erst während der Frühen Neuzeit entwickelte – wobei die moderne, vornehmlich negative Konnotation dieses Begriffs auf das 19. und 20. Jahrhundert zurückgeht 2 – nimmt die gegenwärtige Mediävistik an, dass bei aller unleugbaren politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Alterität des Mittelalters propagandistische Handlungen auch in der Vormoderne eine Rolle spielten 3 . Das Phänomen muss dabei unter Berücksichtigung mittelalterlicher Kommunikationsmöglichkeiten und -modelle untersucht werden 4 . Abgesehen von der Vielfalt der vorhandenen Begriffsdefinitionen sowie der vorgeschlagenen Kommunikationsmodelle darf man Birgit Studt zustimmen, dass „alle Definitionen Propaganda als eine Form der persuasiven Kommunikation bestimmen, die darauf gerichtet ist, die Wahrnehmungen, Meinungen, Einstellungen oder das Verhalten des Rezipienten durch die kommunikative Anwendung von Macht zu ändern.“ 5 1 Die vorliegende Studie entstand im Rahmen des Projektes GA ČR P405/11/0639 – Emperor Sigismund`s Charters for Czech Recipients: Tradition and Innovation in Late Medieval Diplomatics. An dieser Stelle danke ich Wolfram Ziegler für sprachliche Korrekturen und Karel Hruza für wertvolle Hinweise. 2 Aus sozialgeschichtlicher Sicht siehe dazu Wolfgang SCHIEDER–Christof DIPPER, Art. Propaganda. Geschichtliche Grundbegriffe 5 (1984) 69–112. 3 Den Nutzen einer Untersuchung dieses Phänomens für die Mittelalterforschung haben vor allem Karel HRUZA, Propaganda, Kommunikation und Öffentlichkeit im Mittelalter, in: Propaganda, Kommunikation und Öffentlichkeit (11.–16. Jahrhundert), hg. von DEMS. (ÖAW Philosophisch-Historische Klasse Denkschriften 307 = Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 6, Wien 2002) 9–25 und Birgit STUDT, Geplante Öffentlichkeit: Propaganda, in: Politische Öffentlichkeit im Spätmittelalter, hg. von Martin KINTZINGER–Bernd SCHNEIDMÜLLER (VuF 75, Ostfildern 2011) 203–236 aufgezeigt. In beiden Studien wird auf die umfangreiche Literatur zum Thema verwiesen. 4 Es sei hier zumindest auf folgende Sammelbände verwiesen: Formen und Funktionen öffentlicher Kommunikation im Mittelalter, hg. von Gerd ALTHOFF (VuF 51, Stuttgart 2001); Propaganda, hg. HRUZA (wie Anm. 2); Medien der Kommunikation im Mittelalter, hg. von Karl-Heinz SPIEß (Beiträge zur Kommunikationsgeschichte 15, Stuttgart 2003); Text – Bild – Schrift. Vermittlung von Information im Mittelalter, hg. von Andreas LAUBINGER–Brunhilde GEDDERTH–Claudia DOBRINSKI (München–Paderborn 2007); siehe weiters STUDT, Geplante Öffentlichkeit (wie Anm. 3) 203, Anm. 1. 5 STUDT, Geplante Öffentlichkeit (wie Anm. 3) 208. Weiterführende Definitionen bei HRUZA, Propaganda (wie Anm. 3) 9–17, bes. 13, wie z. B. folgende Definition von Garth S. Jowett und Victori O'Donell: „Propaganda ist der absichtliche und systematische [!] Versuch, Wahrnehmungen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und