130 SDGG, Heft 46 – Stratigraphie von Deutschland VII, Silur 6.1 Allgemeine Übersicht Die Verteilung der Fauna und Flora des Silurs ein- schließlich des Unterdevons (Lochkovium) in Deutschland ist auf Abb. 40 zusammengestellt. Die- se Darstellung zeigt in allen Gebieten eine deutliche Abhängigkeit der Diversität der Faunen von der Li- thologie. Während die pelitischen Einheiten, z. B. die Unteren und Oberen Graptolithenschiefer, von plank- tischen und nektischen Organismen dominiert wer- den, treten in den Kalksteinen (z. B. Ockerkalk etc.) verstärkt benthische Organismen und Kalkschaler auf. Die einzelnen Gruppen sind jedoch nicht exklusiv auf diese Einheiten beschränkt. Gesteine des Llandovery und Wenlock zeichnen sich durch reiche Graptolithen- faunen sowie Radiolarien und Acritarchen bzw. Chi- tinozoen aus. Seltener treten Nautiloideen, Eurypte- riden, Phyllocariden und Conodonten auf. Im Ludlow, Pr `´ídolí, Lochkovium sowie an der Wende Lochko- vium/Pragium erhöht sich, auch im Zusammenhang mit der Veränderung der faziellen Verhältnisse (z. B. im Ockerkalk), die Diversität der Faunen mit dem Einsetzen verschiedener benthischer Gruppen. Koral- len, Bryozoen, Brachiopoden, Bivalven, Gastropoden, Tentakuliten, Trilobiten, Ostrakoden und Crinoiden stellen hier einen wesentlichen Anteil der Faunen dar. Das trifft insbesondere zu für den Unter- und Mittel- harz, das Nördliche Rheinische Schiefergebirge, die Venn-Antiklinale und den Taunus. Graptolithen feh- len hier beziehungsweise treten seltener und dann meist in pyrit- und kohlenstoffhaltigen Schiefern, kieseligen Schiefern (z. B. Kieselgallenschiefer im Unter- und Mittelharz) und kohlenstoffhaltigen Kalksteinen auf. Umfangreichere Ostrakodenfaunen sind aus dem Ockerkalk Thüringens (Ludlow/Pr `´ídolí) und aus dem Ostrakodenkalk der Lindener Mark bei Gießen (Hes- sen) bekannt geworden. Aus letzterem werden neben Ostrakoden auch andere Mikrofossilien beschrieben. Es handelt sich dabei um Reste von Chitinozoen, Schwammsklerite verschiedener Gruppen, Scoleco- donten, Tentakuliten und fragliche Foraminiferen. Hin- zu kommen Kleinformen von linguliden Brachiopoden, Bryozoen, Trilobiten und Gastropoden. Tr BLUMENSTENGEL, H.; HANSCH, W.; HEUSE, T.; LEONHARDT, D.; MALETZ, J.; MEISEL, S., SAMUELSSON, J.; SARMIENTO, G.N., SEHNERT, M.; TRÖGER, K.-A.; VERNIERS, J. & WALTER, H. (2006): Fauna und Flora im Silur Deutschlands – In: Stratigraphie von Deutschland VII, Silur. Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.), T. Heuse & D. Leonhardt (Redaktion), für die Subkommission Proterozoikum - Silur. Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften, Heft 46; S. 130-152; Hannover. 6 Fauna und Flora im Silur Deutschlands 6.2 Erhaltungszustand und Versteinerungsmittel Der Erhaltungszustand der Faunen und Floren ist in einem hohen Ausmaß vom lithologischen Aufbau der Abfolgen sowie von der Intensität der tektonischen Beanspruchung abhängig. Auch spielt eine wesentli- che Rolle, wie stark eine kompaktionsbedingte Plät- tung der Formen vor der tektonischen Beanspruchung wirksam war. Die Bedeutung der Tektonik kommt in starkem Maße in den Schiefergebirgen Thüringens, Frankens, des Vogtlandes, der Zwischengebirge von Wildenfels und Frankenberg, dem Nossen-Wilsdruffer Schiefergebir- ge, dem Schiefergebirge der Elbezone, dem Görlitzer Schiefergebirge sowie in den Schiefern des Unter- und Mittelharzes und im Taunus zum Ausdruck. Die en- gen Wechsellagerungen von kompetenten mit inkom- petenten Gesteinen sind besonders stark davon betrof- fen. Das gilt vor allem für die Kieselschiefer-Schwarz- schiefer-Wechsellagerungen der Unterer Graptolithen- schiefer-Formation in den genannten Schiefergebir- gen. Hier sind disharmonische Faltungen und Absche- rungen vor allem in den Schwarzschiefern und ein Schuppenbau mit Schichtwiederholungen die Regel. Die Kieselschieferbänke sind meist mehr oder min- der stark zerbrochen und die Klüfte mit Quarz ver- heilt. In den zwischengeschalteten Schwarzschiefer- lagen ist eine Parallel- oder Transversalschieferung ausgeprägt. Die Parallelschieferung führt zu einer flä- chenhaften Vergrößerung der Faunenreste (JAEGER 1959, SCHAUER 1967). Eine starke Transversal- schieferung mit engständigen Schieferungsflächen, die als Spaltbarkeitsflächen dienen, kann besonders in den mächtigeren Schwarzschieferlagen, z. B. im kiesel- schieferarmen Teil der Unteren Graptolithenschiefer, deutlich in Erscheinung treten. Da die Faunenreste bevorzugt auf den Schichtflächen liegen, sind sie in diesem Falle nicht mehr sichtbar. Das ist u. a. im Vogtländischen Schiefergebirge bei Mühlwand- Limbach der Fall. Ist bei der Transversalschieferung noch die bevorzugte Spaltbarkeit nach den Schicht- flächen gegeben, werden durch sie und die Faltung eine Verzerrung von Winkeln sowie eine Vergrößerung oder auch Verkleinerung von Längenmaßen erzeugt.