Die Anfänge Der Geologe Adolphe von Morlot (Abb. 1), geboren am 22. März 1820 in Nea- pel und gestorben am 10. Februar 1867 in Bern, war nicht der erste Tauchar- chäologe in einem Ge- wässer in Europa 1 . Im Ne- mi-See in den Albaner Bergen Mittelitaliens stieg Francesco de Marchi be- reits 1535 mit einer hölzer- nen Glocke zu den dort ruhenden römischen Bar- ken hinab und versuchte, Wichtiges wie etwa Fund- stücke des 1. Jhs. n. Chr. zu heben 2 . Weitere Versuche sind dort für 1827 belegt. Morlot, „M.“ in Abb. 1, gilt aber als Pionier der ersten Stunde mit einem eigens konstruierten Taucherhelm, der zusammen mit seinen Freunden als erster Tauch- untersuchungen in den Pfahlbauten unter Wasser startete und dabei seinen ganzen Mut zusammen- 180 Frühe taucharchäologische Untersuchungen · Gunter Schöbel Frühe taucharchäologische Untersuchungen im Verband der Deutschen Sporttaucher Ein Rückblick auf die 1950er Jahre Gunter Schöbel Abstract – New approaches and methods of underwater archaeology were central points when founding the Ger- man Sport Divers Association (VDST) in 1954. But initially common statutes, legal forms, forms of organization and standards of diving education were in the foreground. The diving clubs in all of Germany had to be integra- ted within a parent organization, medical and technical basics must be communicated and first Germany-wide conferences had to be organized. It was important to take up contact to foreign diving friends, to find out how bo- tanical and zoological finds had to be treated and how shipwrecks or prehistoric and historic settlements under- water could be documented best. Newly found archive material gives us an insight into the discussions of those days. The major point was the estab- lishment of a common association in the whole of Germany. Remarkable is the collaboration with East German clubs before the construction of the Berlin wall. The results of the first underwater investigations were published in journals for a larger public. Mortal diving accidents and juridical disputes complicated the common organization in the first years. Nevertheless, methods of documentation under water and the protection of cultural sites were basic issues of the following years. The now discovered documents allow reviewing the archaeological starting points in scientific diving. Inhalt – Neue Ansätze und Methoden der Unterwasser-Archäologie waren Gegenstand grundsätzlicher Überle- gungen bei der Gründung des Verbandes der Deutschen Sporttaucher (VDST) 1954. Zunächst waren aber eine gemeinsame Satzung, Rechts- und Organisationsformen und Ausbildungsstandards vordringlich. Die regional organisierten Tauchclubs in ganz Deutschland sollten in einem Dachverband vereinigt, tauchmedizinische und technische Grundlagen vermittelt und erste bundesweite Verbandstagungen organisiert werden. Wichtig war der Kontakt zu ausländischen Tauchfreunden. Überlegt wurde auch, wie botanische und zoologische Objekte, Wracks oder prähistorische und historische Siedlungsfunde am besten aufzunehmen seien. Neu gefundene Archivalien geben Einblick in die damaligen Diskussionen, vor allem um eine deutschlandweite Vereinigung der Tauchsportfreunde. Bemerkenswert ist die Zusammenarbeit mit den ostdeutschen Clubs vor Er- richtung der Mauer. Die Ergebnisse der ersten Unterwasserforschungen wurden in Zeitschriften einer breiten Öf- fentlichkeit vorgestellt. Tödliche Tauchunfälle und juristische Streitigkeitenen erschwerten in den ersten Jahren die bundesweite Organisation. Doch waren die Überlegungen zu Dokumentationsmethoden unter Wasser und zum Kulturgüterschutz prägend für die Diskussionen der Folgejahre. Heute ermöglichen die wiedergefundenen Doku- mente eine Bewertung der archäologischen Ansatzpunkte im wissenschaftlichen Tauchen. Abb. 1: Adolphe Morlot am 24.8.1854 unter Wasser in Morges am Genfer See.