Zeitschrift für Medizinische Psychologie 3/2006 99 Z Med Psychol 15 (2006), 99–109 Zusammenfassung Problem: Für die Erfassung von Körperbildstörungen zählt der „Fragebogen zum Körper- bild“ (FKB-20) von Clement & Löwe (1996b) zu den häufig eingesetzten Verfahren, für das bisher aber noch keine Normwerte vorliegen. Ziele der vorliegenden Arbeit sind die Überprüfung und Normierung des FKB-20 an einer repräsentativen, nicht-klinischen deut- schen Bevölkerungsstichprobe sowie Untersuchungen zur Validität des Verfahrens. Methode: Der FKB-20 wurde in einer Repräsentativbefragung (573 Befragte in Ost- deutschland und 1900 in Westdeutschland) psychometrisch überprüft. Um Hinweise auf die Validität des Fragebogens zu untersuchen, wurde der „Fragebogen zur Erfassung des körperlichen Wohlbefindens“ (FEW-16, Kolip & Schmidt, 1999) eingesetzt. Ergebnisse: Es ergaben sich gute teststatistische Kennwerte. Frauen, Westdeutsche und Probanden mit niedrigerem Schulabschluss stimmen der Skala „Ablehnende Körperbewer- tung“ stärker zu. Frauen, Probanden mit niedrigerem Schulabschluss und Ältere geben niedrigere Werte auf der Skala „Vitale Körperdynamik“ an. Die positiven Zusammenhänge mit dem „Fragebogen zur Erfassung des körperlichen Wohlbefindens“ geben Hinweise auf die Validität des FKB-20. Schlussfolgerung: Der FKB-20 ist ein ökonomisches Instrument zur Diagnose von Körper- bildstörungen im klinischen Bereich, aber auch zur Erfassung subjektiver Aspekte des Körpererlebens im nicht-klinischen Kontext, für das jetzt auch Normwerte einer nicht-kli- nischen repräsentativen deutschen Bevölkerungsstichprobe vorliegen. Schlagworte Körperbild, FKB-20, Repräsentativerhebung, Normierung Abstract Testing and Standardization of the „Body Image Questionnaire“ (FKB-20) by Clement and Löwe (1996b) in German General Population Objectives: The “Body Image Questionnaire” (FKB-20, Clement & Löwe, 1996) is often used assessing body image disturbances, but there has been no standardization of the instru- ment as yet. Aims of the present study were testing, validation and standardization of the FKB-20 using a representative non-clinical German sample. Methods: FKB-20 was psychometrically tested in a representative German survey (573 probands from Eastern Germany and 1900 from Western Germany). The validity of the in- strument was explored using the “Questionnaire Assessing Physical Well-being” (FEW-16, Kolip & Schmidt, 1999). Results: The statistical properties of the instrument proved satisfying. Women, people from Western Germany and those with lower education scored higher on the scale “Rejecting body evaluation”. Women, older persons and those with lower education scored lower on the scale Vital body dynamics”. Positive correlations with the “Questionnaire Assessing Physical Well-being” gave hints for the validity of the FKB-20. Conclusion: The FKB-20 is an economic instrument for diagnosing body image disturbanc- es in the clinical field, but also for assessing subjective aspects of body experience in non- clinical contexts. Norms for a non-clinical representative German population are now avail- able. Key-Words Body image, representative survey, standardization, questionnaire Überprüfung und Normierung des „Fragebogen zum Körperbild“ (FKB-20) von Clement und Löwe (1996) an einer repräsentativen deutschen Bevölkerungsstichprobe Cornelia Albani 1 , Gerd Blaser 1 , Michael Geyer 1 , Isolde Daig 4 , Gabriele Schmutzer 2 , Harald Bailer 3 , Norbert Grulke 3 & Elmar Brähler 2 1 Diagnostik von Körperbildstörungen Die Diagnostik von Körperbildstörungen und eine darauf zielende therapeutische Veränderung ist im klinischen Alltag nicht nur bei Erkrankungen, bei denen Störun- gen des Körperbildes im Mittelpunkt ste- hen (zum Beispiel Anorexia nervosa, Bu- limia nervosa, Hypochondrische Störun- gen oder Transsexualismus) wichtig, sondern auch zum Beispiel bei depressi- ven Störungen, sexuellen Funktionsstö- rungen, Konversionsstörungen und Panik- störungen, die ebenfalls durch eine Beein- trächtigung des auch körperlich erlebten Selbstkonzeptes gekennzeichnet sind. Im Kontrast zur klinischen Bedeutung von Körperbildstörungen steht die bisher nach wie vor wenig entwickelte und in- konsistente Theorie des Körpererlebens (Brähler, 1986), die sich auch in einer großen definitorischen Vielfalt körperbe- zogener Begriffe zeigt – zum Beispiel „Körperbild“, „Körperschema“, „Kör- per-Ich“, „Body Concept“, „Body Image“, … (Löwe & Clement, 1996; Röhricht, Seidler, Joraschky et al., 2005). Ähnlich vielfältig und heterogen sind die Versuche, Körperbildstörungen zu operationalisieren. Methodisch lassen Korrespondenzadresse: PD Dr. C. Albani, Uni- versitätsklinikum Leipzig, Klinik für Psychothe- rapie und Psychosomatische Medizin, Karl- Tauchnitz-Straße 25, 04107 Leipzig. Cornelia.Albani@medizin.uni-leipzig.de. 1 Universitätsklinikum Leipzig, Klinik für Psycho- therapie und Psychosomatische Medizin, Karl- Tauchnitz-Straße 25, 04107 Leipzig. 2 Universitätsklinikum Leipzig, Selbständige Ab- teilung für Medizinische Psychologie und Medizi- nische Soziologie, Philipp-Rosenthal-Straße 55, 04103 Leipzig. 3 Universitätsklinik für Psychosomatische Medi- zin und Psychotherapie, Schillerstraße 15, 89077 Ulm. 4 Institut für Medizinische Psychologie, Charite Universitätsmedizin Berlin, Luisenstraße 57, 10117 Berlin.