| 201 Qualitätszirkel als Instrument der Qualitätsentwicklung Ottomar Bahrs 1 Einführung Über die Notwendigkeit kontinuierlicher Qualitätsentwicklung besteht, nahezu un- abhängig vom jeweiligen gesellschaftlichen Bereich, mittlerweile weitgehend Einig- keit. Umstrittener ist hingegen – gerade im Gesundheitssektor – was im konkreten Fall unter „Qualität“ zu verstehen, wie diese zu messen und woran eine Verbesse- rung erkennbar ist. Der folgende Beitrag fokussiert auf den Ansatz der Qualitätszir- kel, welcher der Förderung von Abstimmungsprozessen und verbesserter Zusam- menarbeit höchste Bedeutung zumisst. Dieser Ansatz knüpft an Erfahrungen im (primär-)ärztlichen Bereich an, in dem Anfang der 1990er Jahre Qualitätszirkel als Verfahren der internen Qualitätsförderung etabliert wurden. Die Legitimität profes- sionellen Handelns wird in Qualitätszirkeln an die kontinuierliche interkollegiale Überprüfung gebunden, welche kontextsensibel den unterschiedlichen Werthaltun- gen Rechnung trägt und ausgehend von konkreten Handlungssituationen Vorschläge für Verhaltensmöglichkeiten erarbeitet, die auch fallübergreifend genutzt werden können. Der Qualitätszirkel bietet damit einen geschützten Rahmen für die Aus- handlung von Problemen aus der Alltagswirklichkeit. Befreit von Zeit- und Ent- scheidungsdruck können kontextspezifische Lösungen gemeinschaftlich erarbeitet werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Qualitätszirkels erfahren dabei reale Kooperationsmöglichkeiten, die sich als Modell eignen und im Alltag umge- setzt werden können. Die Darstellung in diesem Text fokussiert auf Handlungssituationen, in denen Problemlösungen persönlich umgesetzt und verantwortet werden. Dies ist insbeson- dere in der vorwiegend kleinbetrieblich organisierten ambulanten Versorgung der Fall, in analoger Form aber zumeist auch in Gesundheitsförderung und Prävention sowie in der Sozialen Arbeit. Hier ist deshalb eine fallbezogene Reflexion auf die konkrete individuelle Tätigkeit besonders hilfreich und die persönliche Teilnahme am Qualitätszirkel unabdingbar (kein Vertretungsprinzip). Für den fallrekonstruktiv arbeitenden Qualitätszirkel (vgl. BZgA, 2005, 2008, Bahrs & Matthiessen, 2007), der Elemente der Balintgruppenarbeit aufnimmt, wurde der Terminus „Qualitätszir- kel im Gesundheitswesen“ (QuiG ® ) geprägt, der in diesem Text analog für die Qua-