Heft 4 ] 1986 j 463 B Orn. 127, 1986: S. 463--473 Aus dem Max-Planck-Institm für Verhaltensphysiologie, Vogelwarte, und dem Institutfür vergleichende Verhaltensforschung, Wilhelminenberg Morphologische Aspekte der Habitatwahl von Zugvögeln in einem SW-deutschen Rastgebiet::') Von Franz Bairlein, Bernd Leisler und Hans Winkler Einleitung Über Änderungen der Habitatwahl einer Art in Rastgebieten während des Zuges oder im Winterquartier im Vergleich zu ihren brutzeitlichen Ansprüchen wissen wir noch wenig. Eine zunehmende Zahl neuerer Untersuchungen stellt allerdings fest, daß ziehende Arten auch außerhalb der Brutgebiete artspezifische Lebensräurne wählen (Übersichten von KeAST& MORTON 1980 und CURRY-LINDAHL 1981, s. auch BENNETT 1980, FITZPATRICK 1980, HuTro 1980, KEAST 1980, RABENOLD 1980, DOWSETT & DOWSETT-LEMAIRE im Druck). So fand BAIRLEIN(1981), daß sich in einem SW-deutschen Rastgebiet (Halbinsel Metmau im Bodensee 47 ° 44' N/09 ° 00' E) die meisten Arten über Jahre immer wieder in für sie typischen Teilhabitaten aufhalten und dort gefangen werden. Die Forrnkon- stanz der Fangrnuster sowie die Verteilung der Erst- und Wiederfänge einer Art in den Lebensräurnen der Metmau berechtigen dazu, die festgestellten Verteilungsrnuster als Ergebnis sehr präziser Habitatwahlen zu interpretieren. Wodurch kommen die beobachteten Verteilungsrnuster zustande? Erklärungen werden in den Mechanismen der artspezifischen Wahl (z. B. BERNDT & WINKEL 1974, MAUERSBERGER 1978), im Angebot wichtiger Ressourcen, vorzugsweise der Nahrung (z. B. H,sTro 1985a) und durch konkurrierende Arten (z. B. HOLMES et al. 1979, HuTro 1985 b) gesucht. Zusammenhänge zwischen Lebensraurnstruktur und Vogelgerneinschaft sind zwar bekannt (z. B. MAcARTHUR& MAcARTHUR 1961, JAMES 1971), aber kausal noch kaum verstanden (z. B. SHERRY ~ HOLMES1985). Uns kommt es darauf an, zu zeigen, daß Habitatwahl und -nutzung eine rnorpholo- gische Dimension haben, wobei die Morphologie in den Funktionskreisen Nahrungs- erwerb wie Lokornotion zum Tragen kommen könnte. Daß Beziehungen zwischen Körperbau und Ökologie rastender Singvögel bestehen, hat schon BAIRLEIN (1981) analysiert. Durch die Untersuchung einzelner, rnorphologi- scher Funktionskomplexe bzw. der Gesarntrnorphologie und der Verteilung der Arten *) 16. Mitteilung aus dem MRI-Programm.