261 Gerda Heck Migration und Diaspora. Netzwerke und Ermächtigungsprozesse kongolesischer Frauen Multi-Sited Ethnography Lange Zeit wurde Migration aus dem südlichen Afrika nach Europa, auch in der Wissenschaft, als ein vorrangig männliches Phänomen angesehen. Afri- kanische (subsaharische) Frauen wurden häufig nur als nachziehende Ehegat- tinnen oder Familienangehörige betrachtet. Spätestens seit dem Millennium ist die „Feminisierung der Migration“ als eines der wichtigsten Merkmale der neuen Migrationsbewegungen in Afrika anerkannt (vgl. Adepojou 2004; Zlotnik 2003). 1 Generell ist weltweit der Anteil von Migrantinnen wie auch der allein migrierenden Frauen in den vergangenen Dekaden enorm angestie- gen (vgl. Castles/ Miller 2003; Sassen 1996; Lutz 2005; Philazacklea 2003; Zlotnik 2003). 2 Die Motive für die Migration von Frauen sind divers: sie reichen von Flucht vor Krieg, Vertreibung, sozialer, genderspezifischer und politischer Benachteiligung oder Verfolgung bis hin zu Studium und Arbeits- suche. Frauen migrieren, weil sie bessere Lebenschancen und Überlebens- chancen für sich und ihre Familie suchen, weil sie aus starren Familienver- hältnissen, aus Beziehungsproblemen ausbrechen oder sich selbst verwirkli- chen wollen. Neuere Studien weisen auf die Zunahme von berufstätigen und gut ausgebildeten Frauen aus dem südlichen Afrika hin, die unabhängig mig- rieren oder als Familienernährerinnen Ehemann und Kinder zurücklassen, um für diese zu sorgen (vgl. Adepojou 2004: 5). In diesem Beitrag möchte ich am Beispiel zweier Migrationsbiographien kongolesischer Frauen beschreiben, wie diese trotz aller Widerstände ihr Mi- grationsziel verfolgt haben sie in den verschiedenen Situationen, trotz pa- triarchaler und rassistischer Verhältnisse ihren Weg finden und transnationale diasporische Netzwerke nutzen, um sich jeweils vor Ort, in der Migration zu etablieren und wie sie auf ihre Migration zurücksehen. 1 Schätzungen zu Folge waren im Jahr 2000 46% von 16 Millionen internationalen Mig- rant_innen in Afrika Frauen (Martin 2004). 2 Dem Weltmigrationsreport 2006 der UN zufolge waren im Jahr 2005 fast 50% der weltweit erfassten Migrant_innen Frauen (United Nations 2006: XV).