b Psychometrische Eigenschaften einer deutschsprachigen Kurzversion des Sexual Desire Inventory (SDI-2) Wolfgang Kuhn a , Julian Koenig b , Alexander Donoghue a , Thomas K. Hillecke a und Marco Warth a Übersicht: Das Sexual Desire Inventory (SDI-2, Spector et al. 1996) ist bislang eines der wenigen evaluierten Fragebogeninstrumente, die sich gezielt mit dem Konstrukt des sexuellen Verlangens auseinandersetzen. Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer Stichprobe von 156 Studierenden die psy- chometrischen Eigenschaften einer Kurzversion in deutscher Sprache. Hier- zu wurde das Inventar ins Deutsche übersetzt und den Teilnehmern zweimal im Abstand von 14 Tagen vorgelegt. Mithilfe von Item-, Faktoren- und Relia- bilitätsanalysen wurde die gekürzte Version des SDI-2 auf ihre Zuverlässig- keit und Dimensionierung hin überprüft. Die 2-Faktorenlösung der engli- schen Originalversion konnte im Wesentlichen bestätigt werden. Die beiden Faktoren Verlangen mit Interaktionund Verlangen ohne Interaktionklä- ren 65,1 % der Varianz auf. Die interne Konsistenz der Subskalen und des Ge- samttests lag zwischen α = .78 und α =.87. Der Retest-Reliabilitätskoeffizient reichte von r tt = .76 bis r tt = .83. Die Ergebnisse legen nahe, dass es sich bei se- xuellem Verlangen um ein zweidimensionales Konstrukt handelt, das sich an- hand der Kurzversion des SDI-2 im deutschsprachigen Raum zuverlässig und effizient erfassen lässt. Schlüsselwörter: Faktorenanalyse; Fragebogen; Psychometrie; Reliabilität; sexuelles Verlangen In der Sexualforschung existieren derzeit viele Fragebogeninstrumente ins- besondere aus dem angloamerikanischen Sprachraum. Ein Großteil dieser Fragebögen ist mittlerweile auch ins Deutsche übersetzt und evaluiert. Schwerpunktmäßig wurden in den letzten Jahren deutschsprachige Inventa- re zur Diagnose von sexuellen Störungen mit zufriedenstellenden Gütekrite- Z Sexualforsch 2014; 27; 138149 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York ISSN 0932-8114 DOI 10.1055/s-0034-1366582 Elektronischer Sonderdruck zur persönlichen Verwendung a Fakultät für Therapiewissenschaften, SRH Hochschule Heidelberg b Department of Psychology, The Ohio State University, USA 138