Z. Evid. Fortbild. Qual. Gesundh. wesen (ZEFQ) 103 (2009) 169–174 Im Blickpunkt Lernen am spa¨teren Arbeitsplatz: Eine Analyse studentischer Erwartungen und Erfahrungen im ’’ Praktischen Jahr $ Markus Schrauth 1 , Peter Weyrich 2,Ã , Bernd Kraus 3 , Jana Ju ¨ nger 3 , Stephan Zipfel 1 , Christoph Nikendei 3 1 Medizinische Klinik fu ¨ r Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universita ¨t Tu ¨ bingen 2 Medizinische Klinik fu ¨ r Endokrinologie, Diabetologie, Angiologie, Nephrologie und Klinische Chemie, Universita ¨t Tu ¨ bingen 3 Medizinische Klinik fu ¨ r Allgemeine Klinische und Psychosomatische Medizin, Universita ¨ t Heidelberg Zusammenfassung Hintergrund: Die neue a ¨ rztliche Approbationsordnung (A ¨ AppO) legt besonderen Wert auf eine praxisnahe, patientenzentrierte Ausbildung von Medizinstudenten. Nach Wegfall des Ausbildungsabschnitts ’’ Arzt im Praktikum (AiP) zum Oktober 2004 kommt dem Praktischen Jahr (PJ) eine Schlu ¨ sselrolle beim U ¨ bergang der Medizinstudierenden in das Berufsleben zu. Bisher existieren im deutschen Sprachraum keine Studien, welche die spezifischen Anforderungen und zentralen Probleme des PJ qualitativ un- tersucht haben. Das Ziel der hier vorgestellten Untersuchung war es, die studentischen Erwartungen an das PJ und die wa ¨ hrend diesem Ausbil- dungsabschnitt gesammelten Erfahrungen repra ¨ sentativ zu erfassen. Methodik: 65 PJ-Studenten (30 ma ¨ nnlich; 35 weiblich, Alter 25,472 Jahre) nahmen an strukturierten Fokusgruppen jeweils vor und nach (n ¼ 60; drop out 7,7%) ihrem PJ-Tertial in der Inneren Medizin an zwei Universita ¨ tsklinika in Baden-Wu ¨ rttemberg teil. Die Protokolle wurden transkribiert und inhaltsanalytisch ausgewertet. Ergebnisse: Insgesamt 1137 relevante Einzelaussagen konnten in den Transskripten identifiziert werden. Als Hauptkritikpunkte der PJ-Studenten wurde der chronische Zeitmangel der supervidierenden A ¨ rzte sowie die u ¨ berma ¨ ßige Auslastung durch Routinearbeiten benannt. Hierdurch kommt es zu unzureichendem Training eines eigensta ¨ ndigen Patienten-Manage- ments und in Folge zu Unsicherheiten sowie Angst vor der Aufnahme einer selbststa ¨ ndigen Stationsarztta ¨ tigkeit. Schlussfolgerung: Fu ¨ r den Ausbildungsabschnitt des Praktischen Jah- res ist neben der Motivierung der vor Ort ausbildenden A ¨ rzte die Ausar- beitung einer strukturierten begleitenden Ausbildung wichtig. Als wich- tiger Implementierungsschritt wird die Einfu ¨ hrung eines strukturierten, kompetenzbasierten Curriculums mit problemorientierten prozeduralen und kommunikativen Lernzielen sowie definierten Zeitfenstern fu ¨ r einen Unterricht am Patientenbett diskutiert. Schlu ¨ sselwo ¨ rter: Lernen am Arbeitsplatz, medizinische Ausbildung, Praktisches Jahr, Fokusgruppe www.elsevier.de/zefq ARTICLE IN PRESS $ Diese Arbeit wurde durch das Ministerium fu ¨ r Wissenschaft und Kunst Baden-Wu ¨ rttemberg unterstu ¨ tzt (Projektnummer: D 100011720; AZ32-402.17(05)/34). Ã Korrespondenzadresse: Dr. med. Peter Weyrich, Medizinische Klinik fu ¨ r Endokrinologie, Diabetologie, Angiologie, Nephrologie und Klinische Chemie, Universita ¨t Tu ¨ bingen, Otfried-Mu ¨ller-Straße 10, 72072 Tu ¨ bingen, Deutschland. Tel.: +49 7071/29 8 06 05; fax: +49 7472/29 31 88. E-Mail: peter.weyrich@med.uni-tuebingen.de (P. Weyrich). Z. Evid. Fortbild. Qual. Gesundh. wesen (ZEFQ) doi:10.1016/j.zefq.2008.05.005 169