Ulrike Deppe Die Bedeutung der Familie für die Gleichaltrigenbeziehungen 1. Einleitung Dieser Beitrag hat die Bedeutung und den Einfluss der Eltern für die Gleichaltrigenbeziehungen ihrer Kinder zum Gegenstand. Familie und Gleichaltrige werden in der heutigen Forschung meistens als verschiedene soziale Welten betrachtet (Kerns/Contreras/Neal-Barnett 2000), die in ei- nem komplementären Verhältnis zueinander stehen und von höchster Re- levanz für die Entwicklung und Sozialisation von Kindern und Jugendlichen sind (Fend 2005: 306; Brake 2010: 386). Lange Zeit wurde in der For- schung davon ausgegangen, dass mit der Adoleszenz der Einfluss der Fa- milie zugunsten der Gleichaltrigen abnähme (z.B. Oswald 1980) und ins- besondere negative Einflüsse der Peergroup bzw. mit der Ablösung Kon- flikte im Elternhaus zunähmen (z.B. Coleman 1988). Mit der zunehmen- den Verbindung der Forschungsfelder Familie und Gleichaltrigen in den Disziplinen Psychologie und Soziologie, aber auch in der Pädagogik begann sich jedoch der einseitige Blick auf das Verhältnis von Familie und Gleich- altrige aufzulösen. Im Folgenden werde ich genauer auf die historische Entwicklung des Gegenstandsfeldes und die wichtigsten Studien eingehen. Anschließend werden zentrale theoretische und forschungsmethodische Bezüge sowie die wichtigsten Ergebnisse aus der aktuellen Forschung vor- gestellt. Den Schluss bilden eine Zusammenfassung der bisherigen Ent- wicklungen und ein Ausblick auf offene Forschungsfragen in diesem Be- reich. 2. Historische Entwicklung des Gegenstandsfeldes Wie in der Peerforschung generell sind es vorrangig die Disziplinen Psy- chologie und Soziologie, die mit verschiedenen Fragestellungen und Her- angehensweisen das Verhältnis von Familie und Gleichaltrigen bzw. die