83 Frühe Siedlung und Kupfermetallurgie in Südtirol: Milland bei Brixen Die Fundstelle von Milland bei Brixen (Abb. 1, 2) wurde 2002 während der archäologischen Kontrolle der Aushubgräben für die Verlegung der SNAM-Methangasleitung auf der Teilstrecke Bozen-Bruneck entdeckt und untersucht (Tecchiati, 2003; 2004a; Dal Ri et al., 2005; Angelini et al., 2013). Die insgesamt 92 km lange Rohrleitung durchquert große Teile Südtirols, darunter das gesamte Eisacktal, weshalb das Amt für Boden- denkmäler die Aushubarbeiten genauestens verfolgte, da auf dem gesam- ten Streckenverlauf mit der Schädigung von bereits bekannten aber bisher auch unbekannten archäologischen Fundstellen zu rechnen war. Milland und Umgebung waren zum damaligen Zeitpunkt aus archäologi- scher Sicht ein nahezu unbeschriebenes Blatt (Rizzi, 1993). Die Gegend liegt jedoch in der Nähe bedeutender vor- und frühgeschichtlicher Sied- lungsareale des Brixner Talkessels, wie etwa St. Andrä (Lunz, 1994; Tecchi- ati, 2010a) oder Stufels (Feltrin et al., 2008; Tecchiati, 2010b; 2012). Der bei den Kontrollen erfasste Fundort befindet sich einige hundert Meter bergseitig der Kirche Maria im Sand am hydrografisch linken Eisa- ckufer in 660 m Meereshöhe. Zunächst wurde eine mehrere Quadratmeter große, schwarz verfärbte und mit Steinen, Holzkohle und Kupferschlacken durchsetzte Erdlinse freigelegt. Der Befund kam in einem als „Kitzloch“ bezeichneten kleinen Geländesattel zum Vorschein, der zwischen dem Berghang und einem Felssporn liegt und zum alten Friedhof hinter der Kirche und dem Messnerhof führt. Auf dem Areal stand im Mittelalter eine Hufschmiede, die benachbarte Hofstelle trägt den bezeichnenden Namen „Schmiedhof“. Die Fundstelle liegt nahe am Trametschbach, einem kleinen aber wilden Gebirgsbach, der im Laufe der Geschichte immer wieder über die Ufer trat. Am Bachlauf weht stets ein frischer Wind, der graduell zur Erwärmung der umliegenden Geländehänge durch die Sonneneinstrahlung zunimmt und somit hervorragende Bedingungen für einen Schmelzplatz bietet, für den eine kontinuierliche Belüftung vorteilhaft ist. Überreste einer zweiten, mit holzkohlehaltigen Sedimenten verfüllten Grube fanden sich wenig weiter bergseitig ebenfalls nahe am Bach. Der Befund könnte auf weitere Schla- ckenhalden oder aber auf den oder die Schmelzöfen hindeuten, aus denen die Schlacken jener Grube stammen könnten, von der im Folgenden die Rede sein wird. Bei der mit den Schlacken verfüllten Struktur handelt es sich um eine annähernd halbkreisförmige Grube oder Geländemulde natürlichen Ur- sprungs von 16x8 m, die für die spätere Nutzung teilweise zugerichtet wurde (Abb. 3). So wurden die Grubenränder nach und nach mit größe- ren Steinblöcken und kleineren Bruchsteinen ausgekleidet, vermischt mit etwas dunkler, krümeliger Erde. Die Steineinfüllung teilt die Grube längsseitig in zwei Sektoren: der talseitige Bereich ist mit unterschiedli- chen Materialien verfüllt, die zweifelsohne aus dem Umfeld des oder der Schmelzöfen stammen: Grobblasige Schlackenreste der Erzverhüttung, zahlreiche Keramikbruchstücke (Abb. 4, 5, 6), vereinzelte Fragmente von tönernen Blasebalgdüsen (Abb. 7), Stein- und Silexgeräte (Abb. 8, 9) und holzkohlehaltiges Erdmaterial, das von lehmigen, sandigen und kiesigen Sedimenten durchzogen ist. Dieses Erdmaterial gehört mit zu der Gruben- verfüllung, die vermutlich in einem einzigen Arbeitsgang oder zumindest in rascher Abfolge eingebracht wurde. Mit großer Wahrscheinlichkeit befand sich der eigentliche Schmelzofen (Abb. 10, 11), von dem die Materialien der Grubenverfüllung stammen, unweit der Schlackengrube. Das bisher einzige 14 C-Messergebnis (weite- re Proben werden derzeit an der Universität Innsbruck von Klaus Oeggl untersucht) datiert die Struktur in die erste Hälfte des 3. Jahrtausends AC. ([ETH 26698: 4090 ± 50, BC 2869–2804 (21,4%); BC 2772–2718 (9,1%); BC 2704–2484 (69,5%)], also in die Phase „Rame 2“ (mittlere Phase der oberitalienischen Kupferzeit) nach De Marinis & Pedrotti (1996). Die Kera- Umberto Tecchiati Abb. 1. Panoramaaufnahme der Grube und der Trasse der SNAM-Methangasleitung. Abb. 2. Panoramaaufnahme der Grube.