Biographische Selbstreflexion im 30. und 43. Lebensjahr 05.09.2001 1 Heiner Meulemann / K laus Birkelbach Institut für Angewandte Sozialforschung, Universität zu Köln Greinstraße 2, D-50969 Köln Tel. 0221- 470 5658, Fax 0221-470 5169 E -Mail: meulemann@ wiso.uni-koeln.de „Biographizität“ ist das Privileg der Jugend Der Wandel der biographischen Selbstreflexion bei ehemaligen Gymnasiasten zwischen dem 30. und 43. Lebensjahr Zusammenfassung Die biographische Selbstreflexion ehemaliger Gymnasiasten über den Abschluß der Jugend im 30. Lebensjahr und über das frühe E rwachsenenalter im 43. Lebensjahr werden miteinander verglichen. Weil die Aufgabe der Jugend die Identitätsfindung und die Aufgabe des E rwachsenen die Identi- tätswahrung ist, sollte erstens die biographische Selbstreflexion an Intensität verlieren und sich in ihrer Struktur zweitens von E ntscheidungen auf E ntwicklungen, drittens von negativen auf positive Wertungen, viertens von frühen auf späte Inhalte und fünftens von Werten des E rwachsenwerdens wie Reife auf allgemeine Werte der Persönlichkeit verlagern. Die Auswertung offener Fragen nach bedauerten E ntscheidungen, für das Leben wichtigen E reignissen und als falsch empfundenen E ntwicklungen bestätigt diese fünf Hypothesen. Das wird als empirischer Beleg dafür interpretiert, daß es nicht sinnvoll ist, „Biographizität“ als lebenslang verbindliche Norm der Selbstsuche zu ver- stehen.