Kurzmitteilung Lahmann C et al. Entwicklung eines neuen Instruments Psychother Psych Med eingereicht 20. August 2009 akzeptiert 18. September 2009 Bibliograe DOI http://dx.doi.org/ 10.1055/s-0029-1241828 Online-Publikation: 2009 Psychother Psych Med © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York ISSN 0937-2032 Korrespondenzadresse Dr. Claas Lahmann Klinikum rechts der Isar TU München Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Langerstraße 3 81675 München lahmann@tum.de Key words diagnostic techniques pda computers ICD-10 Entwicklung eines neuen Instruments zur adaptierten Diagnostik psychischer Störungen nach ICD-10: PsyPAM – Psychosomatisches Patienten-Arzt-Modul Development of a Novel Device for Adaptive Testing According to ICD-10: PsyPAM – Psychosomatic Physician-Patient Module klinisch gestellten Diagnosen und Diagnosen, de- nen Untersuchungsinstrumente zugrunde liegen. Diese geringe Konvergenz geht mit Problemen für die klinische Praxis einher [2, 3], und subkli- nische Störungsbilder, sogenannte Subthreshold- Diagnosen, sind nur schwer erfassbar [10]. Prob- lematisch beim SKID, DIPS und CIDI ist, dass die- se Instrumente ausschließlich oder, wie im Falle des CIDI, teilweise auf Grundlage des DSM dia- gnostizieren, wobei sich bekanntlich die DSM- und ICD-Klassikationen nur partiell decken [11]. In Deutschland gewinnt aber insbesondere aufgrund der Einführung des DRG-Systems eine valide und umfassende Diagnostik nach ICD-10 immer mehr an Bedeutung [12–14]. Eine Mög- Einleitung & Für die psychiatrische Diagnostik stehen seit den 80er Jahren qualitativ hochwertige Untersu- chungsinstrumente zur Verfügung: u. a. die In- ternationalen Diagnosen Checklisten (IDCL), das Strukturierte Klinische Interview für DSM-IV (SKID), das Diagnostische Interview bei psy- chischen Störungen (DIPS) oder das Composite International Diagnostic Interview (CIDI) [1–8]. Vorteile dieser Instrumente sind zum einen die Zunahme der Objektivität und der Reliabilität, zum anderen die bessere Umsetzung des Komor- biditätsprinzips [5, 9]. Jedoch besteht bislang noch immer eine geringe Konvergenz zwischen Autoren Claas Lahmann 1,4 , Felix Jacobs 2 , Christoph Pieh 3 , Peter Henningsen 1 , Thomas Loew 4 Institute 1 Klinikum rechts der Isar, TU München, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, München 2 Eberhard-Karls-Universitä t Tübingen, Universitä ts-Hautklinik, Tübingen 3 Universitä t Regensburg, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Regensburg 4 Universitä t Regensburg, Abteilung für Psychosomatik, Regensburg Zusammenfassung & Hintergrund: Die Arbeit gibt einen Überblick über die Entwicklung und erste klinische Erpro- bung eines diagnostischen Systems zur compu- tergestützten adaptiven Diagnostik psychischer Störungen. Methoden: Entwickelt wurde das Psychoso- matische Patienten-Arzt-Modul (PsyPAM), ein teilstandardisiertes, computergestütztes Inter- viewverfahren, das die häugsten Störungen nach Kapitel F der ICD-10 abdeckt. Im Rahmen einer Pilotstudie wurden n = 115 Patienten als Referenz klinisch sowie computergestützt mit dem PsyPAM diagnostiziert. Ergebnisse: Über 88 % der klinisch gestellten Diagnosen konnten mit dem PsyPAM erfasst werden. Die Bearbeitungszeit für das PsyPAM lag bei durchschnittlich 22,3 min. Diskussion: Das PsyPAM scheint als Scree- ninginstrument für eine breitere Erprobung im klinischen Alltag erfolgversprechend zu sein, da es leicht handhabbar ist, eine kurze Bearbei- tungszeit erfordert und auf dem ICD-10-System basiert. Abstract & Objectives: There is a high demand for ecient and time-saving diagnostic procedures. The pa- per deals with the development and rst clinical testing of a computerized diagnostic system, fa- cilitating adaptive testing. Methods: For diagnostic of the most com- mon disorders, in accordance with Chapter F of the ICD-10, a psychosomatic physician-patient module (PsyPAM) was developed, which is a partially standardized, computerized interview procedure. In a pilot study the diagnostic results achieved with the PsyPAM-system were compa- red with clinical diagnoses, according with ICD- 10 in n = 115 patients. Results: About 88 % of clinical diagnoses used as a reference base were also established by the PsyPAM-system. The average total processing time for PsyPAM-diagnostics was 22.3 min. Conclusions: The PsyPAM-system is a promi- sing and user-friendly screening tool with a short processing time, and is well worth further deve- lopment and testing in daily clinical practice.