Detlef Pollack • Gert Pickel • Tabea Spieß 3.1. Religiöse Sozialisation und soziale Prägungen und Einflüsse 3.1.1 Einleitung Für die individuelle Religiosität im Erwachsenenalter ist die religiöse Sozialisation von großer Bedeutung, wie in der Forschung immer wieder herausgearbeitet wird (Müller 2013 mit weiteren Literaturhinweisen; Pollack, Müller 2013, 15 ff.). Wer angibt, religiös erzogen worden zu sein, weist im Vergleich zu denen ohne religiöse Erzie- hung in Bezug auf unterschiedliche religiöse Merkmale (Gottesdienstbesuch, Gottes- glaube, Wichtigkeit von Religion) deutlich höhere Werte auf (Pollack, Müller ebd. 15). In diesem Beitrag sollen deswegen Veränderungen in der intergenerativen Weitergabe von Kirchlichkeit und Religiosität in den Blick genommen werden. Daneben sollen aber auch weitere Einflussfaktoren analysiert werden, welche die Bindung an die Kirche moderieren. Nicht nur die Sozialisation übt einen prägenden Einfluss auf die religiöse Haltung und die kirchliche Praxis der Individuen aus, son- dern auch das sich wandelnde gesellschaftliche Umfeld. Zwei solcher Kontextfaktoren sollen hier in ihrem Einfluss auf Kirchenbindung und kirchliche Praxis untersucht werden: die zunehmende Pluralisierung des religiösen Feldes und die wachsende geo- graphische Mobilität. 3.1.2 Zu den Sozialisationsinstanzen Ein wesentliches erkenntnisleitendes Anliegen soziologischer und psychologischer Theorien zur Persönlichkeitsentwicklung besteht in der Frage nach sozialisations- relevanten Systemen und Organisationen. Folgende Unterteilung ist dabei gängig (Hurrelmann 2006, 30 ff.): • primäre Sozialisationsinstanzen (Familie, Verwandtschaft, Freunde) • sekundäre Sozialisationsinstanzen (Kindergarten, Schule, Bildungseinrichtungen) • tertiäre Sozialisationsinstanzen (Freizeitorganisationen, Medien, Gleichaltrige). Verstand die frühere Forschung religiöse Sozialisation weitgehend als eine Aufgabe der Familie, so hat sich in den letzten Jahrzehnten ein differenzierteres Bild ent- wickelt. Nicht nur der Familie wird ein großer Einfluss auf die heranwachsenden Kin-