285 Conviviality als Nebenprodukt transkultureller Musikvermittlung? DJing, Radio, Karaoke. Conviviality als Nebenprodukt transkultureller Mu- sikvermittlung? Stefanie Alisch Stefanie Alisch, Musikwissenschaftlerin und DJ aus Berlin, promoviert an der Bay- reuth International Graduate School of African Studies und als assoziierte Mitarbei- terin des Iwalewa-Hauses zum Carga-Konzept in der elektronischen Tanzmusik Ku- duro aus Angola. Sie studierte Musikwissenschaft, Portugiesisch und Anglistik an der Humboldt-Universität (Berlin) sowie Musikethnologie an der Universidade Federal da Bahia (Salvador, Brasilien). Forschung, Lehre, kreative Projekte und Publikationen zu Kuduro, Groove, kör- perlich-performativer Praxis im Black Atlantic, Broken Beat, Female Hip Hop, Farsi-Pop u.a. in London, Paris, New York, Dublin, Warschau, Berlin, Salvador da Bahia, Luanda und Maputo. Radio- und DJ-Workshops u.a. an Haus der Kulturen der Welt (Berlin), Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart (Berlin), Edith- Russ-Haus für Medienkunst (Oldenburg). 2009 Gründung des Groove Research Institute Berlin. Vom Symposium Transkulturelle Musikvermittlung ist mir eine Aussage von Johannes Ismaiel-Wendt ganz besonders im Ohr geblieben: „Was kommt nach der Dekonstruktion? Nach der Dekonstruktion kommt das Spieleri- sche.” Sofort musste ich an den zweijährigen Sohn einer Kollegin denken, der mich regelmäßig im Musik-Archiv des Iwalewa-Hauses (Afrikazen- trum der Universität Bayreuth) besucht. Zielstrebig zieht er LPs aus dem Regal und entscheidet dann je nach Covergestaltung – „Die mit der Feder!” ( The Best of Victor Uwaifo, 1981) – was gespielt werden soll. Ich lege die aus- gewählte Schallplatte auf den Plattenspieler, er drückt die Play-Taste und entscheidet innerhalb weniger Sekunden, ob sich das Weiterhören lohnt oder nicht. Kongolesische Rumba der 1970er Jahre ist ein Favorit – „Da ist ein Elefant drauf. Die muss laut sein!” (Orchestre Lomeka, 1977). Arbeitslie- der von Perlentauchern aus dem Arabischen Golf (The Work Songs of Pearl Divers in the Gulf, 1987) überstehen die ersten 20 Sekunden im Hörtest nicht. Harter Blues-Rock aus Zambia (Ngozi Family, 1977) steht dagegen hoch im Kurs. Die Entscheidungen meines Besuchers bilden das spielerische Emp- fehlungssystem, das es mir ermöglicht, die ca. 1.000 Schallplatten umfassen- de Sammlung zu erschließen. 1 1 In seinem Vortrag zur Zukunft der digitalen Medien im Rahmen der Gastvor- lesungsreihe Integrated Media der Universität Oldenburg im Februar 2011 un-