t! Sand-Okosysteme im Binnenland: Förderung dynamischer Prozesse durch Beweidung? Forschungsverbund,,sandökosysteme im Binnen- land": Nördliche Oberrheinebene und Emsland ln der weitgehend überbauten, zersiedelten oder in Kultur genommenen Landschafi sowohl der nördlichen Oberrheinebene als auch des Emslandes stellen neben naturnahen Auen die Sandstandorte letzte Beispiele von Ökosystemen dar, die z.T. noch großflächigeren dynami- schen Prozessen unterliegen. Die Sandstandorte des nördlichen Teils der Oberrheinebene weisen eine Reihe extrem gefährdeter Vegetationstypen, Pfl anzen- und Tierarten auf. Besonders hervozuheben sind die Arten und Gemeinschaften kalkJ basenreicher Sande (2.B. Bromo tectori-Phleetum arenarii, Jurineo cyanoidis- Koelerietum glaucae) und stark gefährdete Arten wie Silberscharte (Jurinea cyanoides) oder Sand-Radmelde (Bassn laniflora). Auf sauren Standorten finden sich Vegetationskomplexe aus Corynephorion-Gesellschaf- ten und dem Armerio elongatae-Festucelum trachyphyllae. lm Zuge von Ruderalisierungen nehmen in den letzten Jahzehnten unduldsame Gräser wie z.B. Schmal blättriges Rispen g ras (Poa angu stffo/ra) und Sandrohr (Calamagrostis eprgelbs) überhand. Die fluss- nahen Sand:Vegetationskomplexe im Ems-/Hase-Gebiet weisen mit den Vegetationskomplexen von Spergulo morisonii-Corynephoretum, Diantho deltoidis- Armerietum und in ihrer Vezahnung mit Flutmulden ebenfalls eine Fülle gefährdeter Vegetationstypen, Pflan- zen- und Tierarten auf. Das typische Vegetationsmosaik der gefährdeten Pflanzengesellschaften von Sand-Ökosystemen bildet sich in der Regel nur bei vorhandenen Störungen aus (BAKKER et al. 1983, OLFF et al. 1999, WHITE & JENTSCH 2001, KRAToCHWTL & SCHWABE 2001), die die Sukzessionsprozesse immer wieder initiieren; so kommen konkunenzschwache Pionier-Pfl anzenarten zur Entwicklung und xeroJthermobionte Arthropoden fi nden entsprechende Lebensräume. Es handelt sich hierbei um Modell-Ökosysteme für Naturschutzstrategien, da die Standorte, insbesondere A. Schwabe, D. Remy, A. Zehm,T. Assmann, A. Kratochwil, A. Mährlein, M. Nobis, C. Storm, H. Schlemmer, R. Seuss, S, Bergmann, C. Eichberg,U. Menzel, M. Persigehl, P. Wester, K. Zimmermann im Obenheingebiet, zunehmend konsolidieren und die für ihre Erhaltung notwendige Dynamik unteöleibt. Ne- ben einer möglichen Redynamisierung gewachsener Ökosysteme spielt für den Naturschutz auch die Frage der Restitution eine bedeutende Rolle. lm Zuge von Flächenkäufen (2.8. im Rahmen von Entwicklungsvorha- ben/ Ausgleichsmaßnahmen) könnten Sand-Ökosyste- me z.B. auf ehemaligen Ackerflächen restituiert werden. Die Restitution gewinnt besondere Bedeutung, weil neben der fehlenden Dynamik die Kleinflächigkeit vieler Sandgebiete ein großes Problem darstellt. Es kommt zu genetischen Verarmungen und Aussteöeprozessen innerhalb der viel zu kleinen Populationen. So sollte die Restitution von Sandgebieten vor allem auch im Sinne einer Vergrößerung von Flächen eine wichtige Rolle in modernen Naturschutzkonzeptionen haben. Unsere Hypothese ist. dass Beweidung ein tragfähiges Konzept darstellt. um konsolidierte Sandstandorte zu redynamisieren und um Restitutionsflächen im Sinne des Naturschutes zu entwickeln. Nachdem die Fachgebiete Vegetationsökologie der TU Darmstadt und Ökologie der Universität Osnabrück seit den Jahren 1 993/94 Grundlagen zum Status quo der Sand-Ökosysteme im Obenheingebiet und im Emsland erarbeitet haben (s. dazuz.B. ASSMANN & KRATOCHWIL 1995, KRATOCHWIL & ASSMANN 1996, ASSMANN & FALKE 1997, KROLUPPER & SCHWABE 1998, SCHWABE et al. 2000, STORM et al. 1998, ZEHM 1997; ältere Untersuchungen existierten z.B. von BURRICHTER et al. 1980), konnte ein gemein- samer Projektantrag beim Bundesministerium für Bil- dung und Forschung gestellt werden, der zum 1.1.2000 für 4 Jahre bewilligt wurde (Förderkennzeichen 011N0003). Beteiligt an diesem Projekt sind die Univer- sität Osnabnick und zwei Fachgebiete der Technischen Universität Darmstadt (Vegetationsökologie und Geodä- sie) sowie das Sachverständigenbüro Dr. Mährlein in Kooperation mit der Universität Göttingen. Forschung und Naturschuts in Sandlebensräumen 15.-17. Februar 2001, Fdedridl-,Al€nnder{Jdveßilät Erlangen &d' 43