Mediatisierte Vernetzungschancen: Ungleichheit
und die Rolle von Sprache für mediale Migranten
Laura Suna, Andreas Hepp & Cigdem Bozdag
1 Einleitung: Ungleichheit, Medien und Migration
Die Vorstellung von einer nationalkulturell homogenen Gesellschat – dominiert durch
einheitliche religiöse und ethnische Wertsetzungen – trit immer weniger die Kom-
plexität des aktuellen Lebens. Auch die Diskussion um Ungleichheiten bedarf einer
diferenzierten Betrachtung. Auf den ersten Blick wird ein doppelter Charakter von
Ungleichheiten deutlich. Einerseits sehen wir insbesondere in dem Mediendiskurs die
Tendenz zur Ungleichheit als Segmentierung in Form von einer Außen-Konstruktion
des Anderen. Migranten werden aus der Position der Nationalkultur des Migrationslan-
des als ‚Anders‘ betrachtet. Dabei wird Migranten eine ‚andersartige Medienaneignung‘
zugeschrieben, die mit einer ‚kulturellen Andersartigkeit‘ in Zusammenhang gebracht
wird. Andererseits ist die Binnen-Artikulation der Diaspora im Hinblick auf Fragen der
Ungleichheit zu betrachten. So haben wir es bei Diasporas keinesfalls mit ‚homoge-
nen Gebilden‘ zu tun. Vielmehr sind diese selbst durch ‚innere Ungleichheiten‘ gekenn-
zeichnet.
Solche Vorüberlegungen aufgreifend setzen wir uns in diesem Aufsatz auf der Basis
der Forschungsergebnisse eines von der Deutschen Forschungsgemeinschat geförder-
ten Projekts
1
mit dem Stellenwert von Medien für Migrantinnen und Migranten der
türkischen, russischen und marokkanischen Diaspora vor dem Hintergrund von Un-
gleichheiten auseinander. Im Kern befassen wir uns mit der Fragestellung, inwiefern
Sprache einer der zentralen Ungleichheitsfaktoren der Medienaneignung von Migran-
ten ist. Zur Beantwortung dieser Frage argumentieren wir in folgenden Einzelschritten:
Zuerst gehen wir auf unsere theoretischen Grundannahmen bezüglich Medien und Mi-
granten ein. Dem folgt eine Vorstellung unseres ofenen empirischen Vorgehens, über
das wir zu einer Dreiertypologie von herkunts-, ethno- und weltorientierten Migranten
gelangt sind. Nach einer Darstellung dieser materialbasierten Aneignungstypologie be-
trachten wir Aspekte von Sprache als Aneignungskontexte und ziehen anschließend ein
Fazit bezüglich mediatisierter Vernetzungschancen.
1 Das Forschungsprojekt wird von den Autoren dieses Beitrags unter dem Titel „Integrations- und Segre-
gationspotenziale digitaler Medien am Beispiel der kommunikativen Vernetzung von ethnischen Migra-
tionsgemeinschaten“ (2008–2011) am ZeMKI, Universität Bremen, realisiert.
C. Stegbauer (Hrsg.), Ungleichheit, DOI 10.1007/978-3-531-94213-1_9,
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