1/10 Kultursoziologie als praxeologische Analyse heterogener Relationen. Zur Historizität und Translokalität kulturellen Erbes Hilmar Schäfer Hinweis: Dieses Manuskript ist das Preprint zu Schäfer, Hilmar (2014): Kultursoziologie als praxeologische Analyse heterogener Relationen. Zur Historizität und Translokalität kulturellen Erbes. In: Fischer, Joachim/ Moebius, Stephan (Hg.): Kultursoziologie im 21. Jahrhundert. Wiesbaden, S. 71–80. Ein Blick in die Zukunft, ein Vorschlag für eine kultursoziologische Perspektive, die noch in der Entwicklung begriffen ist und die besonderes analytisches Potential entfalten kann, erfordert zunächst eine Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Standorts der Kultursoziologie. Ein Blick in die Zukunft ist ein Blick zurück nach vorn. Worin bestehen erstens aktuell die Herausforderungen der Kultursoziologie? Zweitens: Welchen genuinen Charakteristika kann sie sich im Rückblick auf ihre Geschichte versichern? Welches Forschungsprogramm erscheint drittens besonders geeignet, im Geiste der spezifisch kultursoziologischen Tradition auf die Herausforderungen zu reagieren? Und schließlich: Worin besteht die Leistung des vorgeschlagenen Ansatzes? Diese Fragen möchte ich im Folgenden erörtern, meinen Entwurf einer kultursoziologischen Position für das 21. Jahrhundert vorstellen und abschließend deren Perspektive auf das Phänomen des kulturellen Erbes skizzieren. 1. Gegenwärtige Herausforderungen In einer Bestandsaufnahme des status quo der Kultursoziologie hat Stephan Moebius (2009) die Sorge diskutiert, dass die Kultursoziologie angesichts des Erfolgs der sogenannten studies ihre Eigenständigkeit verlieren könnte. Mit dem Aufkommen der kulturwissenschaftlich bzw. interdisziplinär ausgerichteten Bewegungen des cultural turn (allen voran den cultural studies und den in diesem Kontext stehenden postcolonial, visual, queer und governmentality studies sowie den Bewegungen des performative, material, body und spatial turn) sind Zweifel an der Daseinsberechtigung der Kultursoziologie laut geworden. Wird die Kultursoziologie gegenwärtig Opfer ihres eigenen Plädoyers für die Anerkennung der kulturellen Dimension des Sozialen? Muss sie den cultural turn fürchten? Wie kann sie angesichts dieser Entwicklungen ihre Identität bewahren und ihr Profil schärfen? Mit Stephan Moebius lassen sich auch zwei Schwachstellen der studies identifizieren: zum einen ihre Zersplitterung in Teilbereiche, die entweder theorieperspektivisch (governmentality studies) oder gegenstandsbezogen (visual studies, science studies) abgegrenzt sind; zum anderen ihre Tendenz, einen partikularen Untersuchungsgegenstand – etwa das Visuelle,